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Stundensatz berechnen als Schreiner

Die meisten Schreinerbetriebe rechnen mit einem Stundensatz, den sie irgendwann einmal gehört haben. Diese Seite zeigt, wie man ihn stattdessen ausrechnet: welche Kosten hineingehören, wie viele Stunden du wirklich verkaufen kannst und warum ein Betrieb am Ende nicht einen Satz hat, sondern für jede Kostenstelle einen eigenen.

Geschrieben vonFabian Scharf·Schreinermeister, Rodenbach
Die kurze Antwort

Monatliche Gesamtkosten inklusive Unternehmerlohn geteilt durch die produktiven Stunden im Monat ergibt den Selbstkostenstundensatz. Darauf mindestens 15 bis 20 Prozent Wagnis und Gewinn auf diesen Stundensatz — das Ergebnis ist dein Stundenverrechnungssatz.

Als Richtwert für die produktiven Stunden gelten 130 bis 140 Stunden im Monat je produktivem Kopf; ehrlich gerechnet sind es oft rund 125, beim Inhaber deutlich weniger. Alles Weitere auf dieser Seite dient dazu, diese beiden Zahlen für deinen Betrieb ehrlich zu füllen — denn genau daran scheitert die Rechnung meistens, nicht an der Formel.

Warum der Stundensatz über Gewinn oder Verlust entscheidet

Der Stundensatz ist die einzige Zahl in deiner Kalkulation, die in jedem Angebot steckt. Ein Materialpreis betrifft eine Position. Ein falscher Stundensatz betrifft alles, was du in diesem Jahr anbietest — jede Stunde Zuschnitt, jede Stunde Montage, jedes Aufmaß.

Das macht ihn gefährlich unauffällig. Zehn Euro pro Stunde zu wenig fallen an einem einzelnen Auftrag kaum auf: Der Kunde sagt zu, die Arbeit läuft, am Ende steht eine Rechnung. Bei 1.500 verkauften Stunden im Jahr sind dieselben zehn Euro 15.000 Euro, die nie auf dem Konto ankommen. Das ist in einem kleinen Betrieb der Unterschied zwischen einer neuen Maschine und einem weiteren Jahr mit der alten.

Der umgekehrte Fall ist genauso real: Wer aus Vorsicht zu hoch ansetzt, verliert Aufträge, die er gebraucht hätte — und weiß hinterher nicht, woran es lag. Beide Fehler haben dieselbe Ursache. Der Satz wurde nicht gerechnet, sondern geschätzt.

Der Punkt

Ein gerechneter Stundensatz ist nicht automatisch höher als ein geschätzter. Er ist begründet. Du weißt, welche Kosten drinstecken — und kannst in einem Preisgespräch sagen, warum die Zahl so aussieht, statt nachzugeben, weil du selbst nicht sicher bist.

Die Rechnung: Gesamtkosten geteilt durch produktive Stunden

Die Formel ist kurz genug, um sie sich zu merken. Die Arbeit steckt darin, die beiden Zahlen ehrlich zu füllen.

Monatliche Gesamtkosten (inkl. Unternehmerlohn)
÷ produktive Stunden im Monat

= Selbstkostenstundensatz
Selbstkostenstundensatz
× 1,15 bis 1,20 (Wagnis & Gewinn)

= Stundenverrechnungssatz

Zwei Begriffe, die oft durcheinandergehen: Der Selbstkostenstundensatz ist der Betrag, bei dem der Betrieb weder verdient noch verliert. Der Stundenverrechnungssatz ist das, was im Angebot steht — Selbstkosten plus Gewinn. Wer beides gleichsetzt, arbeitet zum Selbstkostenpreis und wundert sich, warum am Jahresende nichts übrig ist.

Ob du monatlich oder jährlich rechnest, ist gleichgültig, solange Zähler und Nenner denselben Zeitraum abbilden. Monatlich ist für die meisten greifbarer, weil Miete, Leasingrate und Versicherung ohnehin monatlich abgebucht werden.

Ein Beispiel, durchgerechnet

Nehmen wir einen Einmannbetrieb: ein Schreinermeister ohne Angestellte, gemietete Werkstatt, üblicher Maschinenpark, ein Transporter. Die Beträge unten sind angenommen — sie sollen zeigen, wie die Rechnung läuft, nicht, was dein Betrieb kostet. Setz deine eigenen Zahlen ein.

Beispielbetrieb: monatliche Kosten eines Einmannbetriebs (angenommene Werte, netto)
Kostenpositionpro Monat
Unternehmerlohn
was du selbst verdienen willst, vor Steuern
4.000 €
Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung
als Selbstständiger zahlst du beide Hälften
1.200 €
Werkstattmiete inkl. Nebenkosten900 €
Strom, Heizung, Wasser250 €
Maschinen: Abschreibung, Wartung, Reparatur400 €
Werkzeug, Schleifmittel, Leim, Kleinteile
was nicht auf einem Auftrag landet
200 €
Fahrzeug: Rate, Sprit, Versicherung, Steuer600 €
Betriebshaftpflicht, Inhalts-, Rechtsschutzversicherung150 €
Berufsgenossenschaft, Kammer, Innung120 €
Telefon, Internet, Software, Büromaterial150 €
Steuerberater und Buchhaltung200 €
Weiterbildung, Fachliteratur, Messe80 €
Website, Fotos, Anzeigen100 €
Gesamtkosten im Monat8.350 €

Material für konkrete Aufträge steht bewusst nicht in dieser Liste. Es wird pro Position kalkuliert und mit einem eigenen Aufschlag versehen — dazu weiter unten mehr.

Jetzt der Nenner

Unser Beispielbetrieb rechnet mit 135 produktiven Stunden im Monat, also der Mitte des üblichen Richtwerts von 130 bis 140 Stunden. Damit:

8.350 € ÷ 135 h

= 61,85 € Selbstkosten je Stunde
61,85 € × 1,15 = 71,13 €
61,85 € × 1,20 = 74,22 €

= Verrechnungssatz rund 71 bis 74 € netto

Rund 71 bis 74 Euro netto — das liegt im oberen Bereich dessen, was für einen Soloselbstständigen üblich ist (65 bis 80 €, siehe Vergleichstabelle). Der Betrieb hat damit keinen Spielraum nach oben verschenkt und ist auch nicht außer Reichweite.

Wichtig

Dieser Satz ist der Ausgangswert, nicht das Endergebnis. Ein Betrieb verkauft nicht 135 gleichwertige Stunden — er verkauft Planungsstunden, Maschinenstunden und Montagestunden, die unterschiedlich viel kosten. Wie daraus die einzelnen Sätze werden, steht im Abschnitt über die Kostenstellen.

Was alles in die Gesamtkosten gehört

Der Zähler ist die Stelle, an der am häufigsten etwas fehlt — und zwar nicht die Miete, an die denkt jeder. Es sind die Kosten, die nicht jeden Monat abgebucht werden oder gar nicht wie Kosten aussehen.

Das wird regelmäßig vergessen

  • Der Unternehmerlohn. Der Betrag, den du als Angestellter für dieselbe Arbeit verlangen würdest — brutto, inklusive der Sozialabgaben, die ein Arbeitgeber zahlen müsste. Du bist beides in einer Person, also trägst du beide Hälften. Wer sich hier kleinmacht, kalkuliert einen Satz, bei dem er seine eigene Arbeit verschenkt.
  • Urlaub und Feiertage. Sie kosten nicht direkt Geld, aber sie kürzen den Nenner — dazu gleich mehr. Wer rechnet, als hätte er keinen Urlaub, rechnet sich arm.
  • Krankheitstage. Auch als Selbstständiger wirst du krank. Nur bekommst du dann nichts bezahlt, während Miete und Leasingrate weiterlaufen.
  • Weiterbildung. Kurse, Fachliteratur, Messebesuche, Zeit für neue Techniken oder Software. Das kostet Geld und Stunden, in denen nicht produziert wird.
  • Unproduktive Zeit. Angebote schreiben, Rechnungen stellen, Material einkaufen, Werkstatt aufräumen, Maschinen warten, Kundengespräche ohne Auftrag. Diese Stunden werden nicht bezahlt, aber sie sind Arbeit.
  • Rücklagen für Ersatz. Die Absaugung, die in vier Jahren fällig wird, kostet dich heute schon anteilig. Wer nur die laufenden Raten rechnet, hat beim Ausfall kein Geld für den Ersatz.
  • Forderungsausfälle und Nacharbeit. Ein Kunde, der nicht zahlt. Eine Front, die nachgearbeitet werden muss. Beides passiert und wird von keinem einzelnen Auftrag gedeckt — dafür gibt es später den Posten Wagnis.

Das gehört nicht hinein

Material, das du einem konkreten Auftrag zuordnen kannst, hat im Stundensatz nichts verloren. Es wird pro Position mit Einkaufspreis und Aufschlag gerechnet. Sonst zahlt der Kunde mit einer Küche aus Nussbaum das Material für die Spanplattenschränke des nächsten Auftrags mit.

Der Grenzfall ist Kleinmaterial: Leim, Schleifmittel, Schrauben, Kantenband, Silikon. Das einzeln zuzuordnen lohnt den Aufwand nicht — es gehört in die Betriebskosten und damit in den Stundensatz. Die Grenze ziehst du selbst, wichtig ist nur, dass du sie überhaupt ziehst und dann dabei bleibst.

Eine Liste zum Abhaken mit allen Gemeinkostenarten und einem durchgerechneten Beispielbetrieb: Gemeinkosten im Handwerk berechnen.

Die produktiven Stunden — der Nenner, an dem die meisten scheitern

Produktive Stunden sind nur die Stunden, die du einem Auftrag zuschreiben und in Rechnung stellen kannst. Nicht die Stunden, die du in der Werkstatt bist. Der Unterschied ist größer, als es sich anfühlt.

So kommst du an deine eigene Zahl — Beispielrechnung, wieder mit angenommenen Werten:

rund 250 Arbeitstage im Jahr
− 30 Tage Urlaub
− 8 Tage Krankheit und Weiterbildung

= 212 Arbeitstage × 8 h = 1.696 h Anwesenheit
− 20 % unproduktive Zeit (Büro, Einkauf, Ordnung)

= rund 1.357 h im Jahr, also gut 113 h im Monat

Der gängige Richtwert liegt mit 130 bis 140 Stunden im Monat je produktivem Kopf darüber; ehrlich gerechnet sind es oft rund 125, beim Inhaber deutlich weniger. Das ist kein Widerspruch, sondern eine andere Annahme: Wer regelmäßig länger als acht Stunden in der Werkstatt steht oder weniger Büroarbeit hat, landet dort. Die ehrliche Antwort lautet: rechne mit deiner eigenen Zahl, nicht mit dem Richtwert.

Warum das so wichtig ist, zeigt derselbe Beispielbetrieb mit denselben Kosten, nur einem anderen Nenner:

Gleiche Kosten (8.350 € im Monat), unterschiedliche produktive Stunden — Verrechnungssatz jeweils mit 15 % Gewinnaufschlag
Produktive StundenSelbstkostenVerrechnungssatz
115 h (viel Büro, viel Fahrerei)72,61 €rund 83 €
135 h (Richtwert, Mitte)61,85 €rund 71 €
140 h (gut ausgelastet)59,64 €rund 69 €

Zwischen der ersten und der letzten Zeile liegen vierzehn Euro pro Stunde — bei identischen Kosten. Wer mit 140 Stunden rechnet, aber nur 115 verkauft, hat seinen Satz um rund ein Fünftel zu niedrig angesetzt und merkt es erst, wenn das Jahr gelaufen ist.

Praktischer Weg

Wenn du keine belastbare Zahl hast: Schreib acht Wochen lang jeden Abend auf, wie viele Stunden des Tages auf einen konkreten Auftrag gingen. Nicht genauer als in Viertelstunden, das reicht. Die Zahl, die dabei herauskommt, ist realistischer als jeder Richtwert — und meistens niedriger, als man denkt.

Vom Selbstkostensatz zum Stundenverrechnungssatz

Der Selbstkostensatz deckt alles ab, was der Betrieb kostet — mehr nicht. Auf diesem Stand ist jedes Jahr eine Nullrunde: keine Rücklage, kein Puffer, kein Spielraum. Deshalb kommt ein Aufschlag darauf, üblicherweise mindestens 15 bis 20 Prozent auf den Selbstkostenstundensatz. In der Zuschlagskalkulation, in der der Gewinn auf die gesamten Selbstkosten einschließlich Material kommt, sind 10 bis 15 Prozent üblich — eine andere Basis, kein Widerspruch.

Dieser Aufschlag heißt in der Kalkulation „Wagnis und Gewinn“, und beide Wörter meinen etwas Eigenes. Das Wagnis ist die Vorsorge für das, was schiefgeht: der Kunde, der nicht zahlt, die Nacharbeit, die Platte, die beim Zuschnitt ausfällt, der Termin, der sich verschiebt. Der Gewinn ist das, was übrig bleibt, damit der Betrieb wachsen, Maschinen ersetzen und ein schlechtes Jahr überstehen kann.

Fünfzehn Prozent sind die Untergrenze, nicht das Ziel. Wer in einem Bereich arbeitet, in dem viel schiefgehen kann — Altbau, unbekannte Holzqualität, eine Ausführung, die er zum ersten Mal macht —, liegt mit mehr besser. Die üblichen Puffer im Schreinerhandwerk: 20 Prozent bei einem Neukunden im ersten Projekt, 25 bis 30 Prozent auf die Montagezeit im Altbau, 30 bis 40 Prozent, wenn du eine Arbeit zum ersten Mal ausführst.

Zum Vergleich: übliche Stundensätze

Diese Werte ersetzen die eigene Rechnung nicht. Sie sind dazu da, das eigene Ergebnis einzuordnen: Wenn deine Rechnung 45 Euro ergibt, hast du vermutlich etwas vergessen. Wenn sie 130 Euro ergibt, lohnt ein Blick auf die Kostenseite oder auf die Auslastung.

Übliche Stundensätze im Schreiner- und Tischlerhandwerk, Deutschland, netto (Richtwerte 2024–2026)
BetriebstypStundensatz netto
Kleinstbetrieb / Soloselbstständig65–80 €
Handwerksbetrieb (2–5 Mitarbeiter)75–90 €
Größerer Betrieb mit CNC85–100 €
Spezialist / Hochend (z. B. Massivholz)90–110 €
Region Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg)+5–10 €
Region Hessen / Main-Kinzig75–90 €

Die beiden unteren Zeilen sind regionale Beobachtungen, keine festen Größen: In Bayern und Baden-Württemberg liegen die Sätze meist etwas höher, im Raum Hessen/Main-Kinzig bewegen sie sich im Bereich 75 bis 90 €. Zwischen zwei Betrieben im selben Ort können trotzdem zwanzig Euro Unterschied liegen — Miete, Maschinenpark und Auslastung wiegen schwerer als die Postleitzahl. Was sich je Bundesland belegen lässt, dazu Werkstatt und Montage, Geselle und Meister: Stundensatz Schreiner 2026.

Ein Betrieb hat nicht einen Stundensatz, sondern fünfzehn

Bis hierher haben wir einen Durchschnittssatz gerechnet. Der ist ein guter Anfang — und für die Praxis zu grob. Eine Stunde an der CNC bindet eine Maschine, die gekauft, abgeschrieben, gewartet und programmiert werden muss. Eine Stunde Zusammenbau braucht eine Werkbank und zwei Hände. Beide zum selben Preis zu verkaufen bedeutet: Am maschinenlastigen Möbel verdienst du zu wenig, am montagelastigen zu viel.

Das fällt im Gesamtumsatz nicht auf, solange sich die Projekte durchmischen. Es fällt genau dann auf, wenn ein Auftrag aus der Reihe fällt — eine Küche mit viel CNC-Zeit oder eine Montagewoche im Altbau. Und dann ist es zu spät, weil das Angebot längst draußen ist.

So sieht eine praxistaugliche Aufteilung aus. Die Sätze in der rechten Spalte sind die Werte, mit denen CraftFlow startet — Richtwerte, die jeder Betrieb auf seine eigenen Zahlen bringt:

Fünfzehn Kostenstellen im Schreinerbetrieb mit Ausgangssätzen (netto je Stunde)
KostenstelleBereichWofür€ / h
BesprechungVor dem AuftragKundentermin, Aufmaß, Rückfragen65 €
PlanungVor dem AuftragEntwurf, Zeichnung, Abstimmung85 €
KonstruktionVor dem AuftragBauteile, Verbinder, Details festlegen75 €
ArbeitsvorbereitungVor dem AuftragStückliste, Bestellung, Programme75 €
ProduktionWerkstattallgemeine Fertigungszeit65 €
WarenhandlingWerkstattPlatten holen, stapeln, umsetzen65 €
ZuschnittMaschineSäge, Formatieren72 €
BekantungMaschineKantenanleimmaschine100 €
CNCMaschineLochreihen, Bohrungen, Ausschnitte120 €
OberflächeWerkstattSchleifen, Ölen, Lackieren72 €
ZusammenbauWerkstattKorpus, Beschläge, Justieren65 €
VerpackenWerkstattKantenschutz, Folie, Verladen65 €
AzubiWerkstattArbeiten, die ein Lehrling übernimmt52 €
MontageBeim KundenAufstellen, Einpassen, Übergabe65 €
LieferungBeim KundenFahrt, Be- und Entladen65 €

Der ungewichtete Mittelwert dieser fünfzehn Sätze liegt bei rund 74 € — also ungefähr dort, wo auch der Durchschnittssatz unseres Beispielbetriebs landet. Für ein konkretes Angebot sagt der Mittelwert allerdings nichts aus: Entscheidend ist, welche Stellen das Möbel tatsächlich durchläuft.

Warum die Maschinen teurer sind

CNC mit 120 € und Bekantung mit 100 € fallen aus der Reihe, und das ist beabsichtigt. In diesen Sätzen steckt nicht nur Arbeitszeit, sondern die Maschine selbst: Anschaffung, Abschreibung, Wartung, Werkzeugverschleiß, Strom, Absaugung, Programmierzeit. Wer die CNC zum Werkstattsatz verrechnet, verschenkt genau den Teil, der die Investition rechtfertigt.

Umgekehrt gilt: Was du nicht hast, rechnest du nicht. Ein Betrieb ohne Kantenanleimmaschine hat keine Kostenstelle Bekantung — die Arbeit wandert in den Zusammenbau, dauert dort länger und wird zum Werkstattsatz gerechnet. Das Ergebnis ist ehrlicher als ein Maschinensatz für eine Maschine, die in der Werkstatt nicht steht.

Wenn fünfzehn zu viel sind

Fang mit drei an: Planung (Aufmaß, Zeichnung, Angebot), Werkstatt (alles, was in der Halle passiert) und Montage (alles beim Kunden). Diese drei kann jeder Betrieb aus seinen eigenen Zahlen herleiten, und sie bilden den größten Teil der Unterschiede schon ab. Die feinere Aufteilung kommt, wenn du merkst, dass dir bestimmte Projekte regelmäßig weglaufen.

Eine Anleitung, wie du diese Sätze in CraftFlow hinterlegst und einzelne Kostenstellen abschaltest, steht auf der Seite Kostenstellen und Stundensätze.

Gemeinkostenzuschlag, Materialaufschlag, Wagnis und Gewinn

Der Stundensatz ist ein Teil der Kalkulation, nicht die ganze. So sieht der vollständige Weg zum Verkaufspreis aus:

  Materialkosten (Einkaufspreis)
+ Materialgemeinkosten (ca. 10–15 % auf Material)
+ Lohnkosten (Stunden × Stundensatz)
+ Lohngemeinkosten (Zuschlag auf den Lohn)
+ Wagnis & Gewinn (10–15 % auf die gesamten Selbstkosten)

= Verkaufspreis netto

Dieses Schema mit einem Einbauschrank vollständig durchgerechnet steht in der Zuschlagskalkulation für Schreiner.

Gemeinkostenzuschlag

Der Gemeinkostenzuschlag verteilt die Kosten, die kein einzelner Auftrag verursacht — Büro, Verwaltung, Werkstatt, Versicherungen — anteilig auf die Lohnkosten. Wie hoch er ist, hängt allein daran, was schon im Lohn steckt, auf den er kommt: Je mehr die Basis enthält, desto kleiner der Zuschlag. Als Richtwerte:

Gemeinkostenzuschlag (GKZ) nach Betriebsgröße und Basis — „voller Lohnkostensatz“ heißt: Lohn mit Lohnnebenkosten, Ausfallzeiten und einem Teil der Betriebskosten
Betrieb und BasisZuschlag
Kleinstbetrieb ohne Mitarbeiter, Basis: voller Lohnkostensatz20–30 %
Betrieb mit 1–2 Mitarbeitern, Basis: voller Lohnkostensatz40–60 %
Basis: reiner Bruttostundenlohnoft 200–300 %
Nicht doppelt rechnen

Entweder deine Gemeinkosten stecken schon im Stundensatz — so ist es bei der Rechnung auf dieser Seite, weil Miete, Versicherung und Büro im Zähler standen — dann kommt oben kein Zuschlag mehr drauf. Oder du rechnest mit einem reinen Lohnkostensatz und schlägst die Gemeinkosten separat auf. Beides zusammen macht dich ohne Grund deutlich teurer. Wer kleine Prozentsätze wie 20 bis 60 Prozent auf den reinen Stundenlohn legt, kalkuliert dagegen weit unter seinen Kosten. Entscheide dich einmal und halte es in jedem Angebot gleich.

Materialaufschlag

Material wird nicht zum Einkaufspreis weitergegeben. Der Aufschlag deckt Beschaffung, Lagerung, Verschnitt, Transport und das Risiko, dass eine Platte ausfällt:

Materialaufschlag auf den Einkaufspreis
MaterialartAufschlag
Standard (Beschaffung, Lager, Verschnitt)20–30 % auf den Einkaufspreis
Standardplatten und Zukaufteile15–20 %
Massivholz und Sonderbestellungen25–35 %

Massivholz liegt höher, weil mehr Verschnitt anfällt, die Qualität schwankt und die Beschaffung aufwendiger ist. Standardplatten aus dem Lager des Großhändlers liegen niedriger, weil sie planbar sind. Wie du deinen eigenen Satz herleitest: Materialaufschlag im Handwerk.

Häufige Fehler

  1. Der Unternehmerlohn fehlt

    Der häufigste und teuerste Fehler. Wer nur Miete, Strom und Maschinen zusammenzählt und sich selbst weglässt, rechnet einen Satz aus, bei dem er umsonst arbeitet. Dein Lohn ist eine Kostenposition wie jede andere — und er gehört in den Zähler, bevor irgendein Gewinn dazukommt.

  2. Anwesenheitsstunden statt produktiver Stunden

    Wer die vollen Arbeitsstunden in den Nenner schreibt, teilt durch eine zu große Zahl und landet zu tief. Zwanzig Prozent Unterschied im Nenner sind zwanzig Prozent Unterschied im Satz — bei einem Betrieb mit 100.000 € Jahresumsatz reden wir über eine fünfstellige Summe.

  3. Gewinn und Unternehmerlohn verwechseln

    Das sind zwei verschiedene Dinge. Der Unternehmerlohn ist, was du für deine Arbeit bekommst. Der Gewinn ist, was der Betrieb darüber hinaus verdient — davon werden Rücklagen gebildet, Maschinen ersetzt und schlechte Jahre überstanden. Wer den Gewinn weglässt, hat keinen Puffer.

  4. Sich am Nachbarn orientieren statt an den eigenen Kosten

    Was der Kollege im Nachbarort nimmt, sagt nichts über deine Miete, deinen Maschinenpark und deine Auslastung. Vergleichswerte sind gut, um das eigene Ergebnis zu prüfen — nicht, um es zu ersetzen. Wenn dein errechneter Satz deutlich über dem Üblichen liegt, ist das ein Grund, die Kosten anzusehen, kein Grund, die Zahl kleiner zu schreiben.

  5. Ein Satz für alles

    Eine Stunde CNC kostet den Betrieb etwas anderes als eine Stunde Zusammenbau. Mit einem Mischsatz verdienst du an maschinenlastigen Möbeln zu wenig und an montagelastigen zu viel — und merkst es erst in der Nachkalkulation, wenn der Auftrag gelaufen ist.

  6. Gemeinkosten doppelt aufschlagen

    Entweder die Gemeinkosten stecken bereits im Stundensatz — dann darf oben kein Zuschlag mehr drauf. Oder du rechnest mit einem reinen Lohnkostensatz und schlägst die Gemeinkosten separat auf. Beides zusammen macht dich ohne Grund deutlich teurer. Entscheide dich einmal und halte es überall gleich.

  7. Planung, Aufmaß und Angebot verschenken

    Die Stunden für Aufmaß, Zeichnung und Angebotserstellung fallen an, ob der Auftrag kommt oder nicht. Wer sie nirgends unterbringt, finanziert sie aus den Aufträgen, die er bekommt. Bei größeren Projekten ist eine separat ausgewiesene Planungspauschale der ehrlichere Weg.

  8. Den Satz jahrelang nicht anfassen

    Energie, Versicherungen, Material und dein eigener Anspruch ans Einkommen ändern sich. Ein Stundensatz von vor vier Jahren rechnet mit Kosten, die es so nicht mehr gibt. Einmal im Jahr neu rechnen reicht — aber einmal im Jahr muss sein.

Der Stundensatz ist kein Ergebnis, sondern eine Schleife

Die Rechnung oben liefert einen Ausgangswert. Ob er stimmt, weißt du erst, wenn Aufträge durchgelaufen sind. Dafür gibt es die Nachkalkulation: Nach jedem abgeschlossenen Projekt vergleichst du die tatsächlich gebrauchten Stunden mit den kalkulierten.

Ein brauchbares Warnsignal: Wenn die Ist-Zeit über 120 Prozent der Soll-Zeit liegt, stimmt etwas nicht — ein Aufmaßfehler, ein Materialproblem oder unterschätzte Komplexität. Dann gehört der Richtwert für das nächste Projekt angepasst, nicht der Ärger weggesteckt.

Wichtig ist die Unterscheidung: Läuft die Zeit regelmäßig über, ist meist die Zeitschätzung zu knapp, nicht der Stundensatz zu niedrig. Bleibt die Zeit im Rahmen und am Jahresende trotzdem nichts übrig, liegt es am Satz. Zwei verschiedene Probleme, zwei verschiedene Hebel — wer sie verwechselt, dreht an der falschen Schraube. Ein Muster für den Soll-Ist-Vergleich je Kostenstelle, mit Vorlage zum Nachbauen im Tabellenprogramm: Nachkalkulation im Handwerk.

Was CraftFlow damit macht

Diese Seite ist von uns, deshalb der Vollständigkeit halber, kurz: Du kannst alles oben mit Zettel und Taschenrechner erledigen, und für die Berechnung des Satzes selbst ist das völlig ausreichend.

CraftFlow setzt danach an. Du hinterlegst deine Sätze je Kostenstelle einmal, beschreibst ein Projekt per Text, Sprachnachricht oder Foto vom Aufmaß — und bekommst die Vollkostenkalkulation zurück: Minuten je Kostenstelle, Material mit deinem Aufschlag, Position für Position nachvollziehbar. Der Nutzen liegt nicht darin, dass jemand anders den Satz ausrechnet, sondern dass er in jedem Angebot konsequent angewendet wird, ohne dass du jedes Mal neu überlegst.

Was die Rechnung oben nicht leisten kann: Sie sagt dir, was eine Stunde kostet, aber nicht, wie viele Stunden ein Schrank in deiner Werkstatt braucht. Das hängt an Maschinen, Schwerpunkt und daran, ob du selbst montierst. CraftFlow fragt das einmal ab und macht vier Zeitfaktoren daraus — nachzulesen unter Deinen Betrieb kalibrieren.

Gebaut hat es ein Schreinermeister für den eigenen Betrieb, bevor daraus ein Produkt wurde. Wenn dich das interessiert: Schreiner-Software beschreibt, was die Software tut, Kalkulationsprogramm für Schreiner rechnet einen Einbauschrank einmal ganz durch. Wenn nicht — auch gut, die Rechnung oben funktioniert ohne uns.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Stundensatz eines Schreiners?

Je nach Betriebsgröße liegen die üblichen Sätze zwischen 65 und 110 € netto pro Stunde: 65–80 € für einen Soloselbstständigen, 75–90 € für einen Betrieb mit zwei bis fünf Mitarbeitern, 85–100 € für einen größeren Betrieb mit CNC und 90–110 € für Spezialisten. In Bayern und Baden-Württemberg liegen die Sätze meist 5–10 € höher. Das sind Vergleichswerte, kein Ersatz für die eigene Rechnung.

Wie berechne ich meinen eigenen Stundensatz?

Zähle alle monatlichen Betriebskosten inklusive deines eigenen Unternehmerlohns zusammen und teile die Summe durch deine produktiven Stunden im Monat — der übliche Richtwert sind 130 bis 140 Stunden je produktivem Kopf; ehrlich gerechnet sind es oft rund 125, beim Inhaber deutlich weniger. Das Ergebnis ist dein Selbstkostenstundensatz. Darauf schlägst du mindestens 15 bis 20 Prozent für Wagnis und Gewinn auf — auf den Selbstkostenstundensatz, nicht auf das Material. Das Ergebnis ist dein Stundenverrechnungssatz.

Was sind produktive Stunden?

Nur die Stunden, die du einem Auftrag zuschreiben und in Rechnung stellen kannst. Urlaub, Krankheit, Weiterbildung, Angebote schreiben, Büroarbeit, Einkauf, Werkstatt aufräumen und Fahrten ohne Verrechnung gehören nicht dazu. Von einer 40-Stunden-Woche bleiben in der Praxis deutlich weniger als 40 verrechenbare Stunden übrig — der übliche Richtwert liegt bei 130 bis 140 Stunden im Monat je produktivem Kopf; ehrlich gerechnet sind es oft rund 125, beim Inhaber deutlich weniger.

Ist der Unternehmerlohn schon der Gewinn?

Nein. Der Unternehmerlohn ist der Betrag, den du für deine eigene Arbeit ansetzt — er gehört zu den Kosten und steht im Zähler der Rechnung. Der Gewinn kommt danach als Aufschlag obendrauf und ist das, was der Betrieb über deinen Lohn hinaus erwirtschaftet: Rücklage für Ersatzinvestitionen, Puffer für schlechte Jahre, Spielraum für Wachstum.

Brauche ich für jede Kostenstelle einen eigenen Stundensatz?

Es lohnt sich. Eine Stunde an der CNC bindet eine Maschine, die abgeschrieben, gewartet und programmiert werden muss — eine Stunde Zusammenbau nicht. Wer mit einem Mischsatz rechnet, verdient an maschinenlastigen Projekten zu wenig und an montagelastigen zu viel. Als Einstieg reichen drei Sätze: Planung, Werkstatt, Montage. Verfeinern kannst du später.

Wie hoch ist der Gemeinkostenzuschlag im Schreinerbetrieb?

Das hängt daran, worauf er sich bezieht. Auf einen vollen Lohnkostensatz, in dem Lohnnebenkosten, Urlaub, Krankheit und ein Teil der Betriebskosten schon stecken, sind 20 bis 30 Prozent bei einem Kleinstbetrieb ohne Mitarbeiter und 40 bis 60 Prozent bei einem Betrieb mit ein bis zwei Mitarbeitern übliche Richtwerte. Auf den reinen Bruttostundenlohn bezogen sind die Gemeinkosten dagegen oft das Zwei- bis Dreifache des Lohns, also 200 bis 300 Prozent. Wichtig ist, sich für einen Weg zu entscheiden: Entweder die Gemeinkosten stecken bereits im Stundensatz oder sie werden separat aufgeschlagen — nie beides.

Wie viel Aufschlag gehört auf das Material?

Üblich sind 20 bis 30 Prozent auf den Einkaufspreis. Bei Standardplatten und Zukaufteilen reichen oft 15 bis 20 Prozent, bei Massivholz und Sonderbestellungen sind 25 bis 35 Prozent angemessen. Der Aufschlag deckt Beschaffung, Lagerung, Verschnitt und das Risiko, dass eine Platte beim Zuschnitt ausfällt.

Wie oft sollte ich meinen Stundensatz neu berechnen?

Einmal im Jahr und immer dann, wenn sich etwas Grundsätzliches ändert: neue Maschine, größere Werkstatt, erster Mitarbeiter, spürbar gestiegene Energiekosten. Zusätzlich hilft die Nachkalkulation: Wenn die tatsächlich gebrauchte Zeit dauerhaft über der kalkulierten liegt, stimmt entweder die Zeitschätzung nicht oder der Satz ist zu niedrig.

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Deine Sätze einmal hinterlegen

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