Ratgeber·8. Oktober 2026·Lesezeit rund 8 Minuten

Materialaufschlag im Handwerk: wie viel ist üblich?

Üblicher Materialaufschlag im Handwerk: 15 bis 35 Prozent je nach Material. Mit Formel, Beispiel aus der Schreinerei und dem Unterschied zur Spanne.

Geschrieben vonFabian Scharf·Schreinermeister, Rodenbach

Auf Material kommt ein Aufschlag — darüber sind sich fast alle Handwerker einig. Wie viel, darüber nicht. Diese Seite zeigt die üblichen Spannen, die Formel, ein durchgerechnetes Beispiel aus der Schreinerei und wie du deinen eigenen Satz herleitest. Die Zahlen stammen aus dem Schreiner- und Tischlerhandwerk, das Prinzip gilt für jedes Gewerk. Alle Beträge netto.

Wofür der Materialaufschlag da ist

Der Materialaufschlag ist zuerst kein Gewinn. Er bezahlt die Arbeit und die Kosten, die mit Material verbunden sind, aber auf keiner Stundenliste stehen:

  • Beschaffung: Preise anfragen, bestellen, Lieferung prüfen, abholen.
  • Lager: Fläche, Regale, Ordnung — und Material, das liegt, bevor es verbaut wird.
  • Verschnitt: alles, was nicht schon in der berechneten Menge steckt.
  • Risiko: die Platte, die beim Zuschnitt ausfällt, die Fehlbestellung, die Reklamation.
  • Vorfinanzierung: Du bezahlst den Händler oft, bevor der Kunde dich bezahlt.

Erst was nach diesen Kosten übrig bleibt, ist Verdienst am Material. Wer 10 Prozent als einzigen Aufschlag nimmt, weil das Material „nur durchgereicht“ wird, und danach nichts mehr aufschlägt, arbeitet beim Material meistens umsonst.

Üblicher Materialaufschlag: die Spannen

MaterialAufschlag auf den Einkaufspreis
Standard (Beschaffung, Lager, Verschnitt)20–30 %
Standardplatten und Zukaufteile15–20 %
Massivholz und Sonderbestellungen25–35 %

Richtwerte für das Schreiner- und Tischlerhandwerk aus Branchenquellen und eigener Praxis.

Massivholz liegt höher, weil mehr Verschnitt anfällt, die Qualität schwankt und die Beschaffung aufwendiger ist. Plattenware vom Händler um die Ecke liegt niedriger, weil sie planbar ist.

Aus der Praxis: Kleine Schreinereien schlagen im Schnitt um die 30 Prozent auf das Material auf, größere Betriebe eher um die 20 Prozent. Auf Fremdleistungen wie Glaser- oder Elektroarbeiten sind 15 bis 20 Prozent üblich.

Formel: Materialaufschlag berechnen

Einkaufspreis netto × (1 + Aufschlag)

= Materialpreis im Angebot

Ein Beispiel: 400 € Einkauf mit 25 Prozent Aufschlag sind 400 € × 1,25 = 500 €. Rückwärts gerechnet: Aufschlag = Angebotspreis ÷ Einkaufspreis − 1, also 500 ÷ 400 − 1 = 0,25.

Aufschlag und Spanne sind nicht dasselbe. Der Aufschlag rechnet vom Einkaufspreis nach oben. Die Spanne (oft auch Marge genannt) sagt, welcher Teil des Angebotspreises auf den Aufschlag entfällt: Spanne = Aufschlag ÷ (1 + Aufschlag).

AufschlagSpanne
15 %13,0 %
20 %16,7 %
25 %20,0 %
30 %23,1 %
35 %25,9 %

Derselbe Euro, zwei Blickwinkel. Wer Zahlen vergleicht, klärt zuerst, welche von beiden gemeint ist.

Beispiel: ein Auftrag, drei Warengruppen

Eine Wohnwand mit Korpussen aus Plattenware, Auszügen und Scharnieren, dazu Fronten und Abdeckungen aus Eiche massiv. Die Einkaufspreise sind angenommen — sie zeigen den Rechenweg, keine Marktpreise. Die Mengen enthalten die übliche Zugabe beim Zuschnitt; was darüber hinaus verloren geht, deckt der Aufschlag.

WarengruppeEinkaufAufschlagAufschlag in €Im Angebot
Plattenware (Dekorspanplatte, MDF)420,00 €18 %75,60 €495,60 €
Beschläge (Scharniere, Auszüge)260,00 €15 %39,00 €299,00 €
Eiche massiv 25 mm (Fronten, Abdeckungen), 4,5 m² à 120 €540,00 €30 %162,00 €702,00 €
Summe1.220,00 €22,7 %276,60 €1.496,60 €

Angenommene Einkaufspreise netto. Der Aufschlag in der Summenzeile ist der gewichtete Mischsatz.

Zum Vergleich mit einem Pauschalsatz für alles: Mit 30 Prozent auf alles stünden 1.586,00 € im Angebot, 89,40 € mehr — bei Plattenware und Beschlägen eher zu viel. Mit 20 Prozent auf alles wären es 1.464,00 €, 32,60 € weniger — beim Massivholz zu wenig. Ein Satz je Warengruppe ist kaum mehr Arbeit, aber näher an deinen echten Kosten.

Den eigenen Aufschlag herleiten

Ein geschätzter Aufschlag stimmt selten. Die Rechnung dahinter ist kurz: Zähl für ein Jahr zusammen, was dich das Material außer dem Einkaufspreis kostet, und teil die Summe durch deinen Materialeinkauf im selben Jahr. Ein Beispiel mit angenommenen Zahlen:

Kosten der Materialwirtschaft im JahrBetrag
Zeit fürs Bestellen, Prüfen, Abholen und Einlagern6.000 €
Lagerfläche und Regale, anteilig3.000 €
Verschnitt, der nicht schon in den Mengen steckt4.800 €
Reklamationen, Fehlbestellungen, Bruch1.200 €
Summe15.000 €

Annahme für einen Betrieb mit 120.000 € Materialeinkauf im Jahr.

15.000 € ÷ 120.000 € Einkauf

= 12,5 % Kostendeckung
(1 + 0,125) × (1 + 0,10) − 1

= 23,75 % Materialaufschlag

Mit 10 Prozent Gewinn auf das Material landet dieser Betrieb bei rund 24 Prozent — mitten in der üblichen Spanne, aber diesmal begründet.

Materialgemeinkosten in der Zuschlagskalkulation

Wer nach dem Schema der Zuschlagskalkulation rechnet, schlägt auf das Material zuerst nur die Materialgemeinkosten auf, üblich sind 10 bis 15 Prozent. Wagnis und Gewinn kommen am Ende auf die gesamten Selbstkosten, also auch auf das Material. Zusammen wirkt das wie ein Aufschlag von 21,0 % (1,10 × 1,10) bis 32,25 % (1,15 × 1,15) — derselbe Bereich wie oben, nur in zwei Schritten gerechnet. Wie das Schema vollständig aussieht, steht in der Zuschlagskalkulation für Schreiner.

Manche Betriebe gehen noch einen Schritt weiter: Sie rechnen die Gemeinkosten, die über den Materialaufschlag hereinkommen, aus dem Stundensatz heraus. Wer viel Material verbaut und ordentlich aufschlägt, kann mit einem etwas niedrigeren Stundensatz auskommen — und umgekehrt. Mehr dazu auf Stundensatz berechnen als Schreiner.

Sonderfälle aus der Praxis

  • Fremdleistungen: Glaser, Steinmetz, Elektriker oder Lackierbetrieb bekommen einen eigenen Zuschlag. Auch hier fallen Abstimmung, Koordination und Gewährleistung an.
  • Material vom Kunden: Bringt der Kunde Material selbst mit, fällt der Aufschlag weg — die Arbeit nicht. Rechne die Zeit fürs Prüfen und Einbauen mit und kläre vorher schriftlich, wer für Mängel am beigestellten Material einsteht.
  • Teure Einzelteile: Bei Elektrogeräten oder Spezialbeschlägen ergibt ein voller Prozentsatz schnell hohe Beträge, die dem Aufwand nicht entsprechen. Manche Betriebe nehmen hier einen niedrigeren Satz plus eine feste Bearbeitungspauschale.
  • Preissteigerungen: Zwischen Angebot und Bestellung können Wochen liegen. Eine kurze Bindefrist im Angebot begrenzt das Risiko bis zur Auftragserteilung; danach gilt der vereinbarte Preis. Also Material möglichst gleich nach dem Auftrag bestellen. Preisgleitklauseln sind gegenüber Privatkunden nur eingeschränkt möglich — vorher rechtlich prüfen lassen.

Typische Fehler beim Materialaufschlag

  1. Ein Satz für alles. Die Lagerplatte bekommt zu viel, das Massivholz zu wenig — im Mittel stimmt es vielleicht, im einzelnen Auftrag nicht.
  2. Aufschlag mit Spanne verwechselt. Wer 25 Prozent Spanne will und 25 Prozent aufschlägt, landet bei 20 Prozent Spanne.
  3. Kleinmaterial vergessen. Leim, Schrauben, Schleifmittel und Silikon stehen auf keiner Materialliste. Entweder sie stecken in den Gemeinkosten deines Stundensatzes oder pauschal in der Position — aber irgendwo müssen sie stehen.
  4. Alte Einkaufspreise. Ein Aufschlag auf einen Preis vom letzten Jahr ist ein Aufschlag auf eine Zahl, die es nicht mehr gibt. Erst den Einkaufspreis prüfen, dann aufschlagen.
  5. Den Aufschlag im Preisgespräch opfern. Wer beim Nachlass zuerst den Materialaufschlag streicht, bezahlt Bestellung, Lager und Verschnitt aus der eigenen Tasche.

Muss der Materialaufschlag im Angebot stehen?

Im Angebot steht in der Regel ein Preis für die Leistung, nicht deine Kalkulation. Wie du intern rechnest, ist deine Sache. Anders kann es sein, wenn du Material ausdrücklich „zum Einkaufspreis“ oder nach Aufwand mit Belegen abrechnest — dann gilt, was vereinbart ist. Im Zweifel klärt ein Blick in den Vertrag oder eine kurze Rückfrage bei der Innung.

Was CraftFlow damit macht

In CraftFlow stellst du den Aufschlag einmal je Warengruppe ein, jede Materialzeile einer Kalkulation rechnet damit, und in der einzelnen Zeile kannst du abweichen. Wo das geht, zeigt die Seite Materialaufschlag je Warengruppe. Für die Rechnung auf dieser Seite brauchst du CraftFlow nicht.

Häufige Fragen

Wie viel Materialaufschlag ist im Handwerk üblich?

Üblich sind 20 bis 30 Prozent auf den Einkaufspreis. Für Standardplatten und Zukaufteile reichen oft 15 bis 20 Prozent, für Massivholz und Sonderbestellungen sind 25 bis 35 Prozent angemessen. Kleine Schreinereien liegen in der Praxis im Schnitt um die 30 Prozent.

Wie berechne ich den Materialaufschlag?

Einkaufspreis netto mal (1 plus Aufschlag). Bei 400 € Einkauf und 25 Prozent Aufschlag sind das 400 € × 1,25 = 500 €. Den eigenen Satz leitest du her, indem du die jährlichen Kosten der Materialwirtschaft durch den Materialeinkauf teilst und deinen Gewinnanteil dazunimmst.

Ist der Materialaufschlag Gewinn?

Nein, zuerst nicht. Er deckt Beschaffung, Lager, Verschnitt, Risiko und Vorfinanzierung. Erst was danach übrig bleibt, ist Verdienst am Material.

Was ist der Unterschied zwischen Aufschlag und Spanne?

Der Aufschlag bezieht sich auf den Einkaufspreis, die Spanne auf den Verkaufspreis. 25 Prozent Aufschlag sind 20 Prozent Spanne, 30 Prozent Aufschlag sind 23,1 Prozent Spanne.

Welcher Zuschlag gilt für Fremdleistungen?

Ein eigener, bei kleinen Betrieben meist etwas niedriger als beim Material. In der Praxis sind 15 bis 20 Prozent üblich.

Gilt derselbe Aufschlag für alle Materialien?

Besser nicht. Plattenware vom Lager macht weniger Arbeit als Massivholz oder eine Sonderbestellung. Ein Satz je Warengruppe liegt näher an deinen echten Kosten als ein Pauschalsatz für alles.

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