Ratgeber·8. Oktober 2026·Lesezeit rund 11 Minuten

Zuschlagskalkulation für Schreiner: Schema mit Beispiel

Zuschlagskalkulation für Schreiner: Schema, Formeln und ein Einbauschrank über zwei Meter vollständig durchgerechnet – mit Vorlage zum Nachbauen in Excel.

Geschrieben vonFabian Scharf·Schreinermeister, Rodenbach

Die Zuschlagskalkulation ist das klassische Rechenschema im Handwerk: Auf die Kosten, die du einem Auftrag direkt zuordnen kannst, kommen Zuschläge für alles andere. Diese Seite zeigt das Schema, die Formeln, einen Einbauschrank über zwei Meter vollständig durchgerechnet und eine Vorlage, die du in Excel nachbauen kannst. Alle Beträge netto, sofern nicht anders angegeben.

Das Schema der Zuschlagskalkulation

Materialeinzelkosten (Einkaufspreis)
+ Materialgemeinkosten (10–15 %)

= Materialkosten
Fertigungslohn (Stunden × Stundenlohn)
+ Lohngemeinkosten (Zuschlag auf Lohn)

= Fertigungskosten
Materialkosten + Fertigungskosten

= Selbstkosten
Selbstkosten
+ Wagnis und Gewinn (10–15 % auf die Selbstkosten)

= Angebotspreis netto
+ 19 % Umsatzsteuer

= Angebotspreis brutto

Die Umsatzsteuer gilt für umsatzsteuerpflichtige Betriebe; Kleinunternehmer nach § 19 UStG weisen keine aus, bei ihnen endet das Schema beim Nettopreis. Das ist alles. Die Schwierigkeit liegt nicht im Schema, sondern in den drei Prozentsätzen: Sie müssen zu deinem Betrieb passen.

Die Begriffe kurz erklärt

  • Einzelkosten lassen sich einem Auftrag direkt zuordnen: die Platten für diesen Schrank, die Stunden, die an ihm gearbeitet wurden.
  • Gemeinkosten fallen an, egal welcher Auftrag läuft: Miete, Maschinen, Fahrzeuge, Versicherungen, Büro, Steuerberater, die Zeit für Angebote und Aufmaße ohne Auftrag.
  • Materialgemeinkosten sind der Teil davon, der durch Material entsteht: Einkauf, Lager, Verschnitt.
  • Lohngemeinkosten sind der große Rest. Sie werden über einen Zuschlag auf den Lohn verteilt, weil Arbeitsstunden der beste Maßstab dafür sind, wie viel ein Auftrag den Betrieb beansprucht.
  • Wagnis und Gewinn ist die Vorsorge für das, was schiefgeht, und das, was übrig bleiben soll. Im Schema kommen 10 bis 15 Prozent auf die gesamten Selbstkosten, also auch auf das Material. Wer nur die Lohnstunde aufschlägt und das Material mit eigenem Aufschlag rechnet, setzt 15 bis 20 Prozent auf den Selbstkostenstundensatz — eine andere Basis, siehe Stundensatz berechnen als Schreiner.

Zuschlagssätze ermitteln

Die Zuschlagssätze rechnest du einmal im Jahr aus deinem Jahresabschluss oder deiner BWA aus, jeweils mit den Werten eines ganzen Jahres:

Gemeinkosten ÷ Fertigungslöhne × 100

= Gemeinkostenzuschlag in %
Materialgemeinkosten ÷ Materialeinsatz × 100

= Materialgemeinkostenzuschlag in %

Zu den Fertigungslöhnen zählen nur die Stunden, die auf Aufträgen gearbeitet wurden. Urlaub, Krankheit, Aufräumen und Büro gehören in die Gemeinkosten. Und: Dein eigener Unternehmerlohn gehört hinein — für die Stunden, die du in der Werkstatt stehst, bei den Löhnen, für die Stunden im Büro bei den Gemeinkosten. Wer sich selbst vergisst, rechnet einen Zuschlag aus, bei dem er umsonst arbeitet.

Warum Zuschlagssätze so verschieden aussehen

Ein Gemeinkostenzuschlag von 110 Prozent und einer von 250 Prozent können denselben Betrieb beschreiben. Entscheidend ist, was in der Basis steckt — also in dem Lohn, auf den der Zuschlag kommt.

Rechnest du auf den reinen Stundenlohn des Gesellen, muss der Zuschlag fast alles tragen: Arbeitgeberanteile, Urlaub, Feiertage, Krankheit, Halle, Maschinen, Büro, Unternehmerlohn. Dann ist er groß. In der Branche liegen die Gemeinkosten, auf den reinen Lohn bezogen, oft beim Zwei- bis Dreifachen des Lohns — also bei 200 bis 300 Prozent Zuschlag.

Rechnest du auf die vollen Lohnkosten je verkaufter Stunde, stecken Arbeitgeberanteile und Ausfallzeiten schon in der Basis, und der Zuschlag schrumpft. Dasselbe Beispiel wie unten, nur anders aufgeteilt:

BasisBasis je StundeZuschlagSelbstkosten je Stunde
Stundenlohn des Gesellen (Ecklohn Hessen)22,15 €250 %77,53 €
Lohnkosten je verkaufter Stunde (mit Arbeitgeberanteilen und Ausfallzeiten)36,83 €rund 110,5 %77,53 €

Derselbe Betrieb, dieselben Kosten — zwei Zuschlagssätze. Die Lohnkosten je verkaufter Stunde sind auf Stundensatz Schreiner 2026 Schritt für Schritt hergeleitet.

Je mehr schon in der Basis steckt, desto kleiner der Zuschlag. Kleine Sätze von 20 bis 60 Prozent, wie man sie oft liest, passen deshalb nur zu einer Basis, die bereits fast alle Kosten enthält. Wer solche Sätze auf den reinen Stundenlohn legt, kalkuliert weit unter seinen Kosten.

Beispiel: Einbauschrank 2 lfm, vollständig durchgerechnet

Ein Einbauschrank, 2 lfm breit, raumhoch bei 2,50 m Raumhöhe, 60 cm tief, Neubau mit geraden Wänden. Zwei Korpusse aus weißer Dekorspanplatte 19 mm, Rückwand 8 mm Dekorspanplatte eingenutet, vier Drehtüren aus Dekorspanplatte mit Kante, gedämpfte Topfscharniere, Griffe, Einlegeböden, Kleiderstange, oben eine Blende zur Decke.

Alle Zahlen sind Annahmen für dieses Beispiel, keine Preise eines echten Auftrags. Die Einkaufspreise sind grobe Richtwerte, die Stunden liegen im üblichen Rahmen für einen geübten Gesellen. Als Lohn ist der hessische Ecklohn von 22,15 € angesetzt, als Gemeinkostenzuschlag 250 % auf diesen Lohn, Materialgemeinkosten 15 %, Wagnis und Gewinn 10 %. Aufmaß und Zeichnung für diesen Auftrag rechnen wir als Auftragszeit mit; Angebote ohne Auftrag stecken in den Gemeinkosten. Die Anfahrt ist nicht enthalten, sie kommt als eigene Position dazu. Deine Sätze kommen aus deiner Buchhaltung.

Schritt 1: Material

MaterialMengeEinkauf
Dekorspanplatte 19 mm, weiß (Korpusse, Böden, Türen, Blende)4 Platten à 45 €180,00 €
Dekorspanplatte 8 mm (Rückwände, eingenutet)ca. 5 m² à 10 €50,00 €
Topfscharniere, gedämpft, mit Montageplatte20 Stück à 4 €80,00 €
Türbegradiger (hohe Türen)4 Stück à 12 €48,00 €
Griffe4 Stück à 20 €80,00 €
Kantenband, Bodenträger, Verbinder, Kleiderstangepauschal80,00 €
Materialeinzelkosten518,00 €

Angenommene Einkaufspreise netto, gerundet.

Schritt 2: Stunden

ArbeitsschrittStundenÜblicher Rahmen
Aufmaß vor Ort1,0 h0,5–1,0 h (einfacher Raum)
Zeichnung und Abstimmung2,0 h2,0–4,0 h (CAD Einbauschrank)
Zwei Korpusse: Zuschnitt, Kanten, Bohren, Zusammenbau, Rückwand, Böden9,0 h4–6 h je lfm Werkstatt
Vier Türen: Zuschnitt, Kanten, Scharniere, Griffe3,0 hTür hängen 15–25 min, Kante 3–5 min/lfm
Verladen und Lieferung1,0 h—
Montage, 2 Mann je 2 Stunden4,0 h1,5–2,5 h je lfm (Neubau)
Summe20,0 h

Angenommene Stunden. Rechte Spalte: übliche Zeitrichtwerte für einen geübten Gesellen.

Schritt 3: Das Schema mit Zahlen

PositionBetrag
Materialeinzelkosten518,00 €
+ Materialgemeinkosten 15 %77,70 €
= Materialkosten595,70 €
Fertigungslohn 20 h × 22,15 €443,00 €
+ Lohngemeinkosten 250 %1.107,50 €
= Fertigungskosten1.550,50 €
= Selbstkosten (Material- plus Fertigungskosten)2.146,20 €
+ Wagnis und Gewinn 10 %214,62 €
= Angebotspreis netto2.360,82 €
+ Umsatzsteuer 19 %448,56 €
= Angebotspreis brutto2.809,38 €

Zuschlagskalkulation des Beispielschranks für einen umsatzsteuerpflichtigen Betrieb (bei Kleinunternehmern nach § 19 UStG endet sie beim Nettopreis). Jede Zeile auf den Cent gerundet, die Summen aus den gerundeten Zeilen.

Schritt 4: Gegenprobe

Eine Kalkulation, die man nicht gegenprüft, ist eine Hoffnung. Drei Proben:

  • Stundensatz: 22,15 € × 3,5 = 77,53 € Selbstkosten je Stunde, mit 10 % Wagnis und Gewinn 85,28 €. Zum Vergleich: Ein kleiner Betrieb mit durchschnittlichen Kosten liegt heute bei knapp 80 € je Stunde ohne Gewinn. Das Beispiel liegt knapp darunter, ist also eher günstig gerechnet — wer durchschnittliche Kosten hat, kommt mit 250 % auf den Ecklohn nicht ganz aus.
  • Material: 15 % Materialgemeinkosten und 10 % Wagnis und Gewinn wirken zusammen wie ein Aufschlag von 26,5 % auf den Einkauf — im üblichen Bereich von 20 bis 30 Prozent.
  • Laufmeter: Ohne Lieferung und Montage (5 Stunden, zusammen 426,39 €) bleiben 1.934,43 €, also rund 970 € je Laufmeter. Die Faustregel für einen Einbauschrank in Dekor lautet rund 1.000 € je Laufmeter ohne Montage. Passt. Wie man denselben Schranktyp aus der Stückliste kalkuliert und was eine Dachschräge ändert, steht in Einbauschrank kalkulieren.

Liegt eine Probe weit daneben, stimmt eine Annahme nicht — meistens die Stunden oder der Gemeinkostenzuschlag.

Die Schwächen der Zuschlagskalkulation

Die Zuschlagskalkulation ist einfach und für viele Aufträge gut genug. Drei Schwächen solltest du kennen:

  1. Ein Zuschlag für alles. Die Stunde an der CNC und die Stunde an der Werkbank bekommen denselben Zuschlag, obwohl die Maschine viel mehr kostet. Maschinenlastige Aufträge werden zu billig, handwerkliche zu teuer.
  2. Der Lohn verteilt die Gemeinkosten. Ein Auftrag mit viel Material und wenig Stunden trägt nur die Materialgemeinkosten, aber kaum Anteil an Halle, Maschinen und Büro — obwohl er auch Kapital und Planungszeit bindet.
  3. Die Sätze veralten. Sie stammen aus dem letzten Jahresabschluss. Steigen Miete, Energie oder Löhne, rechnest du bis zum nächsten Abschluss mit alten Zahlen.

Die Antwort darauf sind Stundensätze je Kostenstelle: ein eigener Satz für Zuschnitt, CNC, Bekantung, Oberfläche, Montage, jeweils mit den Gemeinkosten, die dort wirklich entstehen. Wie das geht, steht auf Stundensatz berechnen als Schreiner.

Zuschlagskalkulation in Excel: Vorlage zum Nachbauen

Für die Zuschlagskalkulation brauchst du keine Vorlage zum Herunterladen. Leg ein Tabellenblatt an, schreib in Spalte A die Bezeichnungen und in Spalte B Werte und Formeln:

ZeileSpalte ASpalte B
2MaterialeinzelkostenSumme deiner Materialliste
3Satz Materialgemeinkosten15%
4Materialgemeinkosten=B2*B3
5Materialkosten=B2+B4
6StundenSumme deiner Stundenliste
7Stundenlohn22,15
8Fertigungslohn=B6*B7
9Gemeinkostenzuschlag250%
10Lohngemeinkosten=B8*B9
11Fertigungskosten=B8+B10
12Selbstkosten=B5+B11
13Satz Wagnis und Gewinn10%
14Wagnis und Gewinn=B12*B13
15Angebotspreis netto=B12+B14
16Umsatzsteuer=B15*19%
17Angebotspreis brutto=B15+B16

Aufbau für Excel oder ein anderes Tabellenprogramm. Die Werte in B3, B7, B9 und B13 sind die Annahmen aus dem Beispiel — trag deine eigenen ein. Prozente ohne Leerzeichen eingeben (15%) oder als Dezimalzahl (0,15). Kleinunternehmer nach § 19 UStG lassen die Zeilen 16 und 17 weg.

Mit den Zahlen aus dem Beispiel (B2 = 518,00, B6 = 20) kommt in B15 2.360,82 € heraus. Das ist zugleich deine Probe, ob die Formeln stimmen.

Excel reicht für die Zuschlagskalkulation völlig — solange du wenige Angebote im Monat schreibst und allein daran arbeitest. Wo es eng wird (verrutschte Bezüge, veraltete Sätze in alten Kopien, Abtippen ins Angebot), steht in Kalkulation in Excel: Vorlage und Grenzen.

Was CraftFlow damit macht

CraftFlow ist ein Kalkulationsprogramm für Schreiner und rechnet nicht mit einem Zuschlag für alles, sondern mit Stundensätzen je Kostenstelle und einem Materialaufschlag je Warengruppe. Die Gemeinkosten stecken dabei in den Sätzen. Für das Schema auf dieser Seite brauchst du CraftFlow nicht — ein Tabellenblatt reicht.

Häufige Fragen

Was ist eine Zuschlagskalkulation?

Ein Rechenschema, bei dem auf die direkt zurechenbaren Kosten eines Auftrags (Material und Lohn) prozentuale Zuschläge für die Gemeinkosten kommen. Darauf folgen Wagnis und Gewinn, das Ergebnis ist der Angebotspreis netto.

Wie lautet die Formel der Zuschlagskalkulation?

Materialeinzelkosten plus Materialgemeinkosten, plus Fertigungslohn plus Lohngemeinkosten, ergibt die Selbstkosten. Selbstkosten plus Wagnis und Gewinn ergibt den Angebotspreis netto, bei umsatzsteuerpflichtigen Betrieben plus Umsatzsteuer den Bruttopreis. Kleinunternehmer nach § 19 UStG weisen keine Umsatzsteuer aus.

Wie hoch ist der Gemeinkostenzuschlag bei Schreinern?

Das hängt an der Basis. Auf den reinen Stundenlohn gerechnet sind in der Branche 200 bis 300 Prozent normal — die Gemeinkosten sind oft das Zwei- bis Dreifache des Lohns. Enthält die Basis schon Arbeitgeberanteile und Ausfallzeiten, ist der Zuschlag entsprechend kleiner. Dein eigener Satz kommt aus deiner Buchhaltung.

Zuschlagskalkulation oder Stundensatz je Kostenstelle — was ist besser?

Die Zuschlagskalkulation ist einfacher und reicht für Betriebe mit ähnlichen Aufträgen. Wer teure Maschinen wie eine CNC oder Kantenanleimmaschine hat, rechnet mit Sätzen je Kostenstelle genauer, weil jede Stunde dort die Kosten trägt, die sie verursacht.

Gibt es eine kostenlose Excel-Vorlage für die Zuschlagskalkulation?

Die Tabelle auf dieser Seite ist die Vorlage: 16 Zeilen, die du in jedes Tabellenprogramm übertragen kannst. Mit den Beispielzahlen muss am Ende 2.360,82 € netto herauskommen.

Gehören Wagnis und Gewinn auch auf das Material?

Ja. Wagnis und Gewinn kommen im Schema auf die gesamten Selbstkosten, also auf Material und Fertigung. Auch beim Material kann etwas schiefgehen, und auch daran soll der Betrieb verdienen.

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