Aufmaß Checkliste für Schreiner: vor dem Angebot klären
Aufmaß Checkliste für Schreiner: Maße, Einbausituation, Zugang, Fotos und Wünsche, die vor dem Angebot geklärt sein müssen.
Das Aufmaß dauert zwei Stunden, das Angebot am Schreibtisch noch einmal zwei. Dann baust du den Schrank, fährst zur Montage, und er passt nicht: Die Wand ist schief, der Heizkörper steht im Weg, das Treppenhaus ist zu eng. Jede Stunde, die du jetzt zusätzlich brauchst, steht in keinem Angebot. Sie geht von deinem Gewinn ab. Mit einer festen Aufmaß Checkliste passiert dir das deutlich seltener, weil du vor Ort Punkt für Punkt abhakst.
In diesem Artikel bekommst du die Checkliste, die vor dem Angebot geklärt sein muss: Maße, Einbausituation, Zugang, Wünsche, Belege. Dazu ein durchgerechnetes Beispiel, was ein einziges übersehenes Maß kosten kann, und die Fehler, die in der Praxis am häufigsten vorkommen.
Warum das Aufmaß über Gewinn oder Verlust entscheidet
Beim Festpreis trägst du das Risiko. Stimmt das Aufmaß nicht, zahlst du den Mehraufwand selbst: Nacharbeit in der Werkstatt, eine zweite Fahrt, Passstücke, Zeit auf der Baustelle. Dazu kommt der Ärger, wenn der Kunde den Mehraufwand nicht zahlen will, weil „das doch so besprochen war“.
Ein sauberes Aufmaß schützt dich dreifach:
- Kalkulation: Material, Zeit und Montage lassen sich nur rechnen, wenn die Grundlagen stimmen.
- Beleg: Maße, Skizze, Fotos und die schriftlich bestätigten Wünsche zeigen, was vereinbart war.
- Ablauf: Wer Zugang, Anschlüsse und Zuständigkeiten kennt, plant Werkstatt und Montage ohne Überraschungen.
Wie du aus den geklärten Grundlagen einen sauberen Preis machst, steht in unserem Ratgeber zum Angebot schreiben als Handwerker. Und die Frage, mit welchem Stundensatz du die Zeit überhaupt bewertest, beantwortet der Ratgeber Stundensatz berechnen für Schreiner.
Vorbereitung: Was du zum Termin mitnimmst
Ein gutes Aufmaß beginnt vor der Haustür. Leg dir eine feste Tasche zusammen, damit du nicht jedes Mal neu überlegst:
- Zollstock oder Maßband, dazu ein Laser-Entfernungsmesser, wenn du einen hast
- Wasserwaage oder Linienlaser, Winkel
- Block mit Raster, Bleistift, Radiergummi (die Skizze entsteht vor Ort, nicht im Auto)
- Handy für Fotos
- Vorgedruckte Checkliste oder Aufmaßbogen, damit du Punkt für Punkt abhakst
Frag schon vor dem Termin am Telefon ab, was du wissen musst: Ist der Raum leer oder steht noch Möbel darin? Wird der Boden noch verlegt? Sind Wände noch zu streichen oder zu verputzen? Wer ist beim Termin dabei und entscheidet?
1. Maße und Toleranzen
Hier passieren die teuersten Fehler. Miss lieber an drei Stellen als an einer.
Wände und Raumhöhe
- Wandlängen an mehreren Stellen: unten, in Hüfthöhe und oben. Wände stehen selten im Lot.
- Höhe an mehreren Punkten: Decken hängen durch, Böden fallen ab. Der kleinste Wert ist deine Einbauhöhe.
- Rechte Winkel prüfen: Miss beide Diagonalen. Weichen sie voneinander ab, ist der Raum nicht rechtwinklig, und du brauchst Passleisten oder Blenden.
- Lot und Waage: Prüf Wand und Boden mit Wasserwaage oder Laser. Notiere Abweichungen mit Messpunkt.
Boden, Decke, Schrägen
- Frag, ob der endgültige Bodenbelag schon liegt. Ein Parkett später verändert die Einbauhöhe.
- Bei Dachschrägen nimmst du Höhe und Winkel an mehreren Stellen auf, dazu den Kniestock.
- Nischen, Vorsprünge, Mauerwerksbänke und Versprünge gehören in die Skizze, auch wenn sie unwichtig wirken.
Toleranzen festhalten
Schreib zu jedem Möbel dazu, wo du Luft einplanst (Wandabstand, Blende, Passleiste) und wo es auf Anschlag sitzt. Das ist später dein Argument, wenn jemand fragt, warum links ein Spalt ist.
2. Einbausituation: Alles, was im Weg sein kann
Geh den Raum an der Wand entlang, an der das Möbel stehen soll, und nimm alles in die Skizze auf, was Platz braucht oder Ausschnitte verlangt:
- Steckdosen, Schalter, Netzwerk- und Antennendosen
- Rohre, Heizkörper, Heizungsleitungen
- Fensterbänke, Fensterlaibungen, Türzargen und Öffnungsrichtung der Türen
- Sockelleisten, Deckenleisten, Vorsprünge
- Lichtauslässe und alle Leitungen, die für Beleuchtung oder Geräte geplant sind
Bei Küchen und Einbauschränken klärst du zusätzlich: Wer macht Wasser, Strom und Abluft, und wann? Wenn die Anschlüsse an einer anderen Stelle liegen, als dein Korpus sie braucht, merkst du das sonst erst bei der Montage.
3. Zugang und Anlieferung
Das Möbel muss nicht nur an den Platz passen, sondern auch hinkommen.
- Miss die engste Stelle auf dem Weg: Haustür, Treppenhaus, Flurecken, Türen.
- Wie viele Stockwerke? Gibt es einen Aufzug, und wie groß ist er?
- Wie weit ist der Tragweg vom Fahrzeug bis zum Raum?
- Wo kannst du parken, gibt es Halteverbot oder Zeitfenster?
- Muss das Möbel in Teilen angeliefert und vor Ort zusammengebaut werden? Das verändert Planung und Montagezeit.
- Wer räumt vorher aus, wer deckt den Boden ab?
Zugang und Anlieferung bestimmen Montagezeit und Personal, also deinen Preis. Wenn du es erst bei der Lieferung erfährst, bezahlst du es selbst.
4. Fotos und Skizze als Beleg
- Ein Übersichtsfoto je Wand, dazu Detailfotos von Anschlüssen, Steckdosen, Rohren und jeder Problemstelle.
- Ein Maßband im Bild hilft später, die Fotos zuzuordnen.
- Handskizze mit Maßen: Grundriss und Ansicht. Lieber ein Maß zu viel als eines zu wenig.
- Schreib Datum und Raumbezeichnung dazu. Nach drei Wochen weißt du sonst nicht mehr, welches Bad das war.
5. Wünsche des Kunden schriftlich festhalten
Mündliche Absprachen vergisst man. Schreib vor Ort auf, was gewünscht ist, und lass es dir bestätigen:
- Material, Holzart oder Dekor, Oberfläche, Farbe
- Aufteilung: Türen, Schubladen, Klappen, offene Fächer
- Griffe oder grifflos, Beschläge, Beleuchtung, Sonderausstattung
- Was ausdrücklich nicht gemacht werden soll
- Wer liefert Geräte, Armaturen oder Platten, und bis wann
Eine kurze Nachricht an den Kunden genügt: „So habe ich es aufgenommen, passt das so?“ Mit der Antwort hast du es schwarz auf weiß.
Ein Beispiel, durchgerechnet: Was ein übersehenes Maß kostet
Ein Fall aus dem Alltag, mit angenommenen Zahlen: Ein Einbauschrank soll an eine Wand. Beim Aufmaß wurde nur an einer Stelle gemessen. Die Wand ist aber auf der Länge um zwei Zentimeter schief, und ein Heizungsrohr sitzt im Weg.
Annahme: Beispielbetrieb, Stundensatz 65 €, Material und Zeiten frei gewählt. Deine Werte weichen ab.
| Posten | Menge | Betrag |
|---|---|---|
| Zweite Anfahrt und Neu-Aufmaß (Zeit) | 2,0 h | 130 € |
| Neuzuschnitt von Teilen in der Werkstatt | 3,0 h | 195 € |
| Zusätzliches Plattenmaterial | pauschal | 60 € |
| Passleiste und Blende anfertigen | 1,5 h | 98 € |
| Zusätzliche Montagezeit vor Ort | 1,5 h | 98 € |
| Summe Mehraufwand | 581 € |
Annahme für einen Beispielbetrieb, keine Durchschnittswerte
Dieser Mehraufwand steht in keinem Angebot und zahlt sich nicht von selbst. Bei einem Auftrag, der in der Kalkulation zum Beispiel 2.500 € gebracht hätte, frisst das fast ein Viertel weg. Die zwei Stunden Aufmaß mit mehreren Messpunkten hätten das verhindert.
Häufige Fehler
- Nur ein Messpunkt pro Wand: Das Möbel klemmt oder hat einen Spalt. Folge: Nacharbeit, im schlimmsten Fall Neuzuschnitt.
- Schräge Wände nicht erkannt: Der Korpus passt nicht, und die Blenden oder Passstücke standen nicht im Angebot.
- Steckdose oder Heizkörper übersehen: Ausschnitte nachträglich oder ein Möbel, das kürzer werden muss.
- Zugang nicht geprüft: Der Schrank kommt nicht durchs Treppenhaus. Folge: Teilung, mehr Montagezeit, zusätzliche Helfer.
- Wünsche nur mündlich: „Das war aber anders besprochen.“ Ohne Beleg stehst du allein da.
- Bodenbelag noch nicht drin: Die Höhe passt später nicht mehr, der Sockel muss angepasst werden.
- Zu wenig Fotos: Zu Hause fällt dir ein fehlendes Maß auf, und du fährst noch einmal hin.
Jeder dieser Fehler kostet Zeit, Material oder beides, und selten ist er vorher im Angebot eingerechnet.
Vom Aufmaß zum Angebot
Bevor du mit dem Kalkulieren beginnst, geh die Liste noch einmal durch:
- Sind alle Maße vollständig: Breite, Höhe, Tiefe je Möbel?
- Ist die Einbausituation klar, sind Besonderheiten notiert?
- Steht die Ausstattung fest: Türen, Schubladen, Klappen, Beschläge, Beleuchtung?
- Ist der Zugang geklärt, und ist die Montage grob geplant?
- Hast du die Kundenwünsche schriftlich?
Fehlt etwas, frag nach, bevor du rechnest. Lieber einmal zu viel gefragt als falsch kalkuliert. Muss ein Teil nach dem endgültigen Aufmaß angepasst werden, schreib das ins Angebot, zum Beispiel „Position nach Aufmaß anpassen“. So ist für den Kunden klar, was noch offen ist.
Wichtig: Ein Hinweis wie „nach Aufmaß anpassen“ ersetzt kein Aufmaß. Er sagt nur ehrlich, was beim Angebot noch nicht feststeht.
Was CraftFlow damit macht
Wenn du aus deinem Aufmaß nicht jedes Mal von Hand ein Angebot zusammenstellen willst: CraftFlow nimmt deine Beschreibung und deine Fotos und baut daraus eine Kalkulation, die du selbst prüfst und anpasst. Welche Maße, welche Ausstattung und welches Material gelten, bestimmst weiterhin du. Je vollständiger dein Aufmaß, desto besser die Grundlage. Mehr dazu findest du auf der Startseite von CraftFlow.
Häufige Fragen
Was gehört in ein Aufmaß für ein Möbel?
Breite, Höhe und Tiefe an mehreren Messpunkten, die Einbausituation mit Steckdosen, Rohren und Heizkörpern, der Zugang zum Raum, Fotos, eine Handskizze mit Maßen und die schriftlich festgehaltenen Wünsche des Kunden. Dazu Datum und Raumbezeichnung, damit du alles später zuordnen kannst.
Wie genau muss ein Aufmaß sein?
So genau, dass du daraus Zuschnitt und Montage planen kannst. Miss auf den Millimeter und an mehreren Stellen je Wand, und notiere, wo du Spiel einplanst. Bei Einbaumöbeln zählt der kleinste gemessene Wert, nicht der Durchschnitt.
Wann misst man bei einer Küche oder einem Einbauschrank auf?
Erst, wenn Boden und Wände fertig sind und die Anschlüsse für Wasser, Strom und Abluft feststehen. Kann ein Gewerk noch etwas verändern, hältst du das im Angebot fest und misst vor der Fertigung noch einmal nach.
Kann ich ein Angebot ohne Aufmaß vor Ort schreiben?
Für eine grobe Preisorientierung ja, mit klarem Hinweis, dass sie nach Aufmaß angepasst wird. Für einen verbindlichen Festpreis brauchst du ein Aufmaß vor Ort, sonst trägst du das Risiko für alles, was du nicht gesehen hast.
Wie halte ich Aufmaß und Kundenwünsche fest?
Mit Skizze, Fotos und einer kurzen schriftlichen Zusammenfassung an den Kunden, auf die er antwortet. So hast du die Vereinbarung belegt, ohne dass es nach Papierkrieg aussieht.