Ratgeber·25. Oktober 2026·Lesezeit rund 8 Minuten

Bürozeit im Angebot für Schreiner: so viele Stunden

Bürozeit im Angebot: Wie viele Stunden Planung und Aufmaß ein Schreiner einrechnet, mit Rechenbeispiel und Staffel nach Auftragsgröße.

Geschrieben vonFabian Scharf·Schreinermeister, Rodenbach
Bildschirmfoto CraftFlow (Beispielbetrieb, Espresso-Optik): Kalkulations-Check eines Einbauschranks in der Dachschräge — Bür…

Ein Einbauschrank unter der Dachschräge: Besprechung beim Kunden, Aufmaß mit drei Messungen pro Wand, Zeichnung, Stückliste, Zuschnittplan. Das sind schnell zehn Stunden, bevor in der Werkstatt die erste Platte liegt. Steht davon nichts im Angebot, zahlst du die Bürozeit aus der eigenen Tasche. Bei einem Stundensatz von 70 € sind das 700 € – bei einem Auftrag, der vielleicht 7.000 € netto bringt, ein Zehntel der Summe.

Die Bürozeit im Angebot ist der Posten, den fast jeder Schreiner kennt und fast keiner sauber ansetzt. Sie fällt nicht auf, weil sie nicht an der Hobelbank entsteht. Sie verteilt sich auf Abende, Mittagspausen und Samstagvormittage. Am Monatsende fehlt trotzdem das Geld.

In diesem Artikel rechnest du Schritt für Schritt aus, wie viele Stunden Planung und Aufmaß du in ein Schreiner-Angebot einrechnen solltest: getrennt nach Besprechung, Aufmaß, Planung und Arbeitsvorbereitung, mit einem durchgerechneten Beispiel und einer Staffel nach Auftragsgröße. Alle Zahlen im Beispiel sind Annahmen. Deine eigenen Zeiten setzt du selbst ein.

Warum Bürozeit im Angebot so oft fehlt

Es gibt drei Gründe, und alle drei sind menschlich.

Erstens fühlt sich Büroarbeit nicht wie „echte“ Arbeit an. Wer zwei Stunden zeichnet, hat am Abend nichts Sichtbares gebaut. Also schreibt man sie nicht auf, und was nicht aufgeschrieben ist, taucht in keiner Nachkalkulation auf.

Zweitens rechnen viele mit einem Stundensatz, der auf die Werkstatt zugeschnitten ist. Der Satz für die Montage und der für die Planung am Schreibtisch sind dann derselbe, und die Planungsstunden kommen im Angebot gar nicht als eigene Zeit vor. Sie müssten aber irgendwo stecken, entweder in den Stunden der Positionen oder in den Gemeinkosten.

Drittens ist die Bürozeit schwer zu schätzen. Ein Regal braucht eine Skizze, ein Einbauschrank in der Dachschräge eine maßhaltige Zeichnung mit jeder Schräge. Wer nur „pauschal ein bisschen Planung“ ansetzt, trifft mal zu viel und mal zu wenig, und zu wenig merkt keiner.

Was zur Bürozeit gehört

Teile die Bürozeit in vier Blöcke. Jeder hat eine eigene Größenordnung und eine eigene Frage, die du dir stellst.

Besprechung

Das Gespräch beim Kunden, Telefonate, Rückfragen zu Farben und Fronten, die Abstimmung mit Architekt oder Bauleitung. Frag dich: Wie viele Termine brauche ich realistisch, bis alles geklärt ist? Ein Privatkunde, der sich noch nicht entschieden hat, braucht mehr Termine als ein Hausverwalter mit klarem Leistungsverzeichnis.

Aufmaß

Das Aufmaß vor Ort, inklusive Fahrt, wenn du sie nicht in die Anfahrt eingerechnet hast. Für einen einfachen Raum liegt eine übliche Spanne bei einer halben bis einer Stunde. Sobald Schrägen, Nischen, schiefe Wände oder mehrere Räume dazukommen, wird es deutlich mehr. Eine Aufmaß-Checkliste spart hier Nacharbeit; wie die aussieht, steht im Ratgeber zur Aufmaß-Checkliste für Schreiner.

Planung und Konstruktion

Zeichnung, Details, Abstimmung der Maße mit dem Kunden, gegebenenfalls Freigabe. Das ist bei Möbeln nach Maß meist der größte Block. Frag dich: Gibt es schon eine Zeichnung, oder entsteht sie neu? Muss der Kunde sie freigeben, bevor es losgeht?

Arbeitsvorbereitung

Stückliste, Zuschnittplan, Bestellungen bei Händler und Lieferant, Beschläge zusammenstellen, Fertigungsunterlagen für die Werkstatt. Diese Zeit fällt an, egal wie klein der Auftrag ist. Ein Möbel mit zwanzig Teilen braucht eine Stückliste, auch wenn es nur ein Möbel ist.

Bürozeit = Besprechung + Aufmaß + Planung/Konstruktion + Arbeitsvorbereitung
Bürokosten = Bürozeit × Stundensatz

Was in den Gemeinkosten steckt und was nicht

Hier passieren die meisten Doppelrechnungen und Lücken. Zwei Regeln helfen.

Die Zeit für Angebote, die nie zum Auftrag werden, gehört in die Gemeinkosten. Wer zehn Angebote schreibt und drei bekommt, muss die Arbeit an den sieben anderen über die drei bezahlen lassen. Das geschieht über den Gemeinkostenzuschlag oder den Stundensatz, nicht über den Einzelauftrag. Wie das funktioniert, zeigt der Ratgeber zu den Gemeinkosten im Handwerk.

Die Zeit für einen beauftragten Auftrag dagegen gehört in diesen Auftrag: Aufmaß, Zeichnung, Stückliste, Bestellungen. Setzt du sie hier nicht an und steckt sie auch nicht im Zuschlag, ist sie doppelt verloren: einmal nicht bezahlt, einmal nicht gezählt.

Und noch ein Hinweis zum Recht: Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten (§ 632 Abs. 3 BGB). Willst du für Aufmaß und Planung vor dem Auftrag Geld sehen, musst du das vorher ansprechen und festhalten, zum Beispiel als Planungspauschale, die bei Auftragserteilung verrechnet wird. Ob das für deinen Fall passt, kann ein Anwalt klären.

Ein Beispiel, durchgerechnet

Annahme: Beispielbetrieb mit drei Mitarbeitern, Stundensatz 70 € netto. Auftrag: ein Einbauschrank unter der Dachschräge, Auftragssumme 6.800 € netto. Alle Zeiten sind Annahmen und keine Richtwerte für deinen Betrieb.

BlockStundenBetrag
Besprechung (zwei Termine)1,5105 €
Aufmaß vor Ort mit Schrägen2,0140 €
Planung und Zeichnung5,0350 €
Arbeitsvorbereitung (Stückliste, Zuschnitt, Bestellung)2,0140 €
Summe Bürozeit10,5735 €

Bürozeit bei einem Einbauschrank (Annahmen)

735 € von 6.800 € sind knapp 11 %. Fehlen sie im Angebot, bleiben von einem Gewinnaufschlag von zum Beispiel 8 % auf die Selbstkosten nicht mehr viel übrig. Die Büroarbeit hat dann den Gewinn aufgefressen, bevor der erste Schrank steht.

Wichtig: Die 10,5 Stunden sind nicht „zu viel“. Wer ehrlich Zeit schreibt, merkt schnell, dass ein Möbel nach Maß am Schreibtisch mehr Zeit braucht als gedacht.

Bürozeit nach Auftragsgröße staffeln

Nicht jeder Auftrag braucht die gleiche Planung. Eine Staffel verhindert, dass du bei großen Aufträgen zu wenig und bei kleinen zu viel ansetzt. Diese Werte sind Annahmen zum Gegenprüfen mit deinen eigenen Zeiten:

AuftragsgrößeBürozeit (Annahme)
Kleinauftrag, ein einfaches Stück2–3 h
Einzelmöbel nach Maß5–8 h
Einbauschrank, Dachschräge, Sonderform8–12 h
Mehrere Möbel oder ganze Räume15–30 h

Staffel der Bürozeit nach Auftragsgröße (Annahmen)

So gehst du vor, um die Staffel für deinen Betrieb zu bauen:

  1. Nimm fünf abgeschlossene Aufträge aus dem letzten Jahr.
  2. Schreib auf, wie viele Büro- und Planungsstunden jeder wirklich hatte, so gut du es aus Kalender und Erinnerung rekonstruieren kannst.
  3. Ordne die Aufträge nach Größe und bilde Gruppen.
  4. Nimm je Gruppe den Mittelwert und runde auf halbe Stunden.

Auch die Menge verändert die Bürozeit. Baust du fünf gleiche Schränke statt einen, zeichnest du nur einmal. Die Bürozeit steigt dann nicht mit fünf, sondern nur ein wenig. Dafür steigt sie, wenn ein Auftrag mehrere verschiedene Bereiche hat, etwa Flur, Küche und Schlafzimmer: Jeder Bereich hat sein eigenes Aufmaß und seine eigene Abstimmung.

Häufige Fehler

Die Bürozeit gar nicht ansetzen. Folge: Sie wird zur Gratisleistung. Bei einem Auftrag mit 10 Stunden Büro und 70 € Stundensatz sind das 700 € Verlust, bevor Material und Werkstatt zählen.

Alles mit „Planung pauschal“ abdecken. Folge: Bei kleinen Aufträgen ist die Pauschale zu hoch und der Kunde springt ab, bei großen zu niedrig und du zahlst drauf. Eine Staffel nach Größe löst beides.

Aufmaß und Planung mit dem Werkstattsatz rechnen und die Stunden vergessen. Folge: Es gibt keine Zeile „Planung“, also kann sie auch niemand nachprüfen. Eigene Zeile oder klar benannter Anteil in den Positionen schafft Klarheit.

Doppelt rechnen. Folge: Das Angebot wird unnötig teuer, und du verlierst Aufträge, weil derselbe Aufwand in Zuschlag und Position steckt.

Nach dem Auftrag nicht nachrechnen. Folge: Du schätzt jedes Mal neu, ohne dazuzulernen. Ein kurzer Blick in die Nachkalkulation nach jedem Auftrag bringt dir mit der Zeit verlässliche eigene Werte. Wie das aussieht, zeigt der Ratgeber zur Nachkalkulation im Handwerk.

Mehr Bereiche, gleiche Bürozeit. Folge: Ein Auftrag mit drei Räumen braucht drei Aufmaße und drei Abstimmungen. Wer ihn wie einen Raum rechnet, zahlt für die anderen beiden.

Was CraftFlow damit macht

Bei Möbeln mit Stückliste rechnet CraftFlow die Bürozeit selbst: Besprechung, Planung, Konstruktion und Arbeitsvorbereitung. Grundlage ist die Größe des Auftrags; die Bürozeit steht einmal im Preis, nicht je Stück. Den Rechenweg siehst du im Kalkulations-Check mit den Minuten je Kostenstelle. Die KI schätzt, gerechnet wird mit den Sätzen deines Betriebs, und du hast das letzte Wort. Bei Aufträgen ohne Stückliste, etwa Türen oder Treppen, schätzt die KI die Bürozeit mit Mindestzeiten.

Häufige Fragen

Wie viel Bürozeit rechne ich ins Angebot?

Das hängt von der Auftragsgröße ab. Für ein einfaches Stück reichen oft zwei bis drei Stunden, für ein Möbel nach Maß fünf bis acht, für einen Einbauschrank in der Dachschräge eher acht bis zwölf. Das sind Annahmen zum Gegenprüfen. Verlässlich wird es erst mit deinen eigenen mitgeschriebenen Zeiten.

Was gehört zur Planungszeit im Angebot?

Besprechung mit dem Kunden, Aufmaß, Zeichnung und Konstruktion sowie die Arbeitsvorbereitung mit Stückliste, Zuschnittplan und Bestellungen. Das Schreiben von Angeboten, die nie beauftragt werden, gehört dagegen in die Gemeinkosten.

Wie kalkuliere ich das Aufmaß?

Nimm die Zeit vor Ort plus Fahrt, falls die Anfahrt nicht schon eigens berechnet wird, und multipliziere sie mit deinem Stundensatz. Bei einem einfachen Raum liegt eine übliche Spanne bei einer halben bis einer Stunde, mit Schrägen und mehreren Räumen deutlich darüber. Lieber ein Aufmaß mehr als ein Maß zu wenig.

Gehört die Bürozeit in die Gemeinkosten oder in den Auftrag?

Beides, je nach Anlass. Angebote ohne Auftrag laufen über die Gemeinkosten. Aufmaß, Planung und Arbeitsvorbereitung eines beauftragten Auftrags gehören in diesen Auftrag. Wichtig ist nur, dass dieselbe Stunde nicht zweimal vorkommt.

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