Verschnitt kalkulieren als Schreiner: Platten und Holz
Verschnitt kalkulieren als Schreiner: Platten, Massivholz und Beschläge richtig ansetzen, mit Rechenbeispiel und typischen Fehlern.
Du kaufst für einen Satz Küchenschränke 17 m² Melaminplatte, weil die Zeichnung 14 m² ergibt und „ein bisschen Verschnitt“ dazukommt. Am Ende fehlt eine halbe Platte, weil die Rückwände und Böden sich nicht so verschachteln ließen wie gedacht. Du fährst noch einmal zum Händler. Der Zeitverlust steht in keinem Angebot, die Platte schon gar nicht.
Wer als Schreiner Verschnitt kalkulieren will, merkt schnell: Es gibt keinen Prozentsatz, der für alles passt. Platten verlieren Material beim Zuschnitt, Massivholz durch Rinde, Risse und Äste, Kantenband und Meterware an den Enden, und Beschläge sind Stückware mit Packungsgrößen. Jedes Material braucht eine eigene Rechnung.
Dieser Artikel zeigt, wie du als Schreiner den Verschnitt für Platten, Massivholz und Beschläge ansetzt, wo er im Angebot hingehört und wie ein durchgerechnetes Beispiel aussieht. Alle Zahlen darin sind Annahmen. Setz deine eigenen Werte aus Zuschnittplänen und Einkaufsrechnungen ein.
Warum Verschnitt über die Marge entscheidet
Material macht bei Möbeln oft einen großen Teil der Selbstkosten aus. Ein Verschnitt, der zu niedrig angesetzt ist, kostet jedes Mal Geld, und zwar ohne dass es auffällt: Du kaufst die fehlende Platte nach, die Rechnung geht in den Einkauf, und im Angebot stand die Menge ohne Reserve.
Ein pauschal geschätzter Verschnitt hat zwei Probleme. Ist er zu hoch, wird dein Angebot teurer als nötig. Ist er zu niedrig, zahlst du drauf. Beides passiert, solange „so ungefähr 10 Prozent“ die Regel ist.
Verschnitt je Material
Plattenware
Bei Platten entsteht Verschnitt durch das Format. Eine Standardplatte hat zum Beispiel 2.800 × 2.070 mm. Deine Teile passen selten lückenlos darauf. Dazu kommen Sägeschnitte, Randstreifen, Reststücke, die zu klein für etwas anderes sind, und bei Dekoren mit Maserung die feste Laufrichtung, die das Drehen der Teile einschränkt.
Eine übliche Spanne für Platten liegt grob zwischen 10 und 20 Prozent der Nettofläche; bei vielen Kleinteilen oder festem Dekor eher darüber, bei wenigen großen Teilen darunter. Das ist eine Orientierung, kein Richtwert für deinen Betrieb. Deinen Wert bekommst du, indem du Zuschnittpläne der letzten Aufträge auswertest.
Die Rückwand ist ein Sonderfall. Sie wird oft aus dünner Platte in einem Stück zugeschnitten und hat kaum Verschnitt. Rechne sie getrennt.
Massivholz
Bei Massivholz steckt der Verschnitt in der Ausbeute. Bohlen haben Rinde, Waldkante, Risse, Äste und Verzug. Aus einem Kubikmeter Einkauf wird nach dem Ablängen und Besäumen nur ein Teil brauchbares Holz. Je höherwertig das Möbel, desto wählerischer bist du bei Fehlstellen, und desto niedriger fällt die Ausbeute aus.
Deshalb rechnest du bei Massivholz besser mit der Ausbeute als mit einem Prozentzuschlag:
Bei einer Ausbeute von 50 Prozent brauchst du die doppelte Menge. Ein Zuschlag von 50 Prozent auf die Nettomenge würde nur das 1,5-Fache ergeben, und das reicht nicht. Das ist ein typischer Rechenfehler: Verschnitt als Anteil vom Einkauf und Verschnitt als Zuschlag auf das Netto sind zwei verschiedene Rechnungen.
Kantenband und Meterware
Kantenband, Profilleisten und andere Meterware kaufst du in Rollen oder Stangen. Dazu kommen Zugaben an den Enden und Verschnitt beim Anpassen. Rechne die laufenden Meter netto und schlag eine Zugabe auf. Wie groß sie ist, siehst du an den letzten Aufträgen: Wie viel Rolle ist übrig geblieben?
Beschläge
Beschläge haben keinen Verschnitt im eigentlichen Sinn, aber zwei Verlustquellen. Erstens die Packungsgröße: Scharniere gibt es im Zehnerpack, du brauchst zwölf, also kaufst du zwanzig. Zweitens Reserve und Fehlbestellungen: falsche Ausführung, beschädigte Teile, Zubehör, das vergessen wurde. Setz hier keine Prozente an, sondern bestell nach der Stückliste und rechne die Packungsgröße mit, wenn der Rest nicht sicher in den nächsten Auftrag geht.
So findest du deinen eigenen Verschnitt
Die Spannen oben sind eine Orientierung. Verlässlich wird dein Wert so:
- Nimm drei bis fünf abgeschlossene Aufträge, bei denen du die Zuschnittpläne noch hast.
- Rechne je Auftrag: Nettofläche der Teile, dagegen die eingekaufte Fläche. Die Differenz ist dein Verschnitt, auf die Nettofläche bezogen.
- Trenne nach Material: Platte, Massivholz, Kantenband. Ein gemeinsamer Wert verschleiert die Unterschiede.
- Trenne nach Art des Auftrags. Eine Küche mit vielen gleichen Korpussen verschnittet anders als ein Möbel mit vielen Sonderformen.
- Halte den Wert fest und prüfe ihn nach jedem neuen Auftrag. Nach einem halben Jahr hast du eine Zahl, auf die du dich verlassen kannst.
Frag deinen Händler nach den Plattenformaten, die er wirklich liefert, und plane den Zuschnitt auf dieses Format. Manchmal spart eine andere Plattengröße mehr Verschnitt als jede Optimierung am Zuschnittplan.
Wohin der Verschnitt im Angebot gehört
Du hast drei Möglichkeiten, den Verschnitt zu verrechnen:
- In der Menge. Du setzt die Einkaufsmenge an (Netto plus Verschnitt) und rechnest mit dem normalen Einkaufspreis. Das ist die genaueste Form, denn man sieht die Menge im Angebot nachvollziehbar.
- Im Materialaufschlag. Du hältst die Menge netto und deckst den Verschnitt im allgemeinen Aufschlag ab. Das geht nur, wenn der Verschnitt zwischen den Aufträgen ähnlich ist.
- Im Preis je Quadratmeter. Du erhöhst den Preis, statt die Menge zu erhöhen. Das ist die unübersichtlichste Variante, weil sich Menge und Preis vermischen.
Wichtig ist nur: Wähle eine Stelle und rechne ihn nicht zweimal. Wenn der Verschnitt schon in der Menge steckt, darf der Materialaufschlag ihn nicht noch einmal enthalten. Wie sich dieser Aufschlag zusammensetzt, erklärt der Ratgeber zum Materialaufschlag im Handwerk.
Ein Beispiel, durchgerechnet
Annahme: Beispielbetrieb mit drei Mitarbeitern. Auftrag: Schrankwand mit Korpus aus beschichteter Platte, Fronten und Regalbrettern aus Massivholz. Alle Mengen und Preise sind Annahmen.
Platte. Die Zeichnung ergibt 14,0 m² Nettofläche. Für den Verschnitt nehmen wir 15 Prozent an. Der Preis liegt bei 38 € je m².
| Posten | Menge | Betrag |
|---|---|---|
| Nettofläche, ohne Verschnitt | 14,00 m² | 532,00 € |
| Verschnitt 15 % | 2,10 m² | 79,80 € |
| Einkaufsmenge | 16,10 m² | 611,80 € |
Plattenmaterial mit Verschnitt in der Menge (Annahmen)
Zum Gegenprüfen: Eine Platte hat 2,80 × 2,07 m, also rund 5,80 m². Für 16,10 m² brauchst du rechnerisch 2,8 Platten, gekauft werden also drei ganze. Der Rest von etwa 1,3 m² ist Reststück. Landet es in der Kiste und wird beim nächsten Auftrag verbaut, ist er kein Verlust.
Massivholz. Für Fronten und Regalbretter brauchst du netto 0,12 m³ Eiche. Wir nehmen eine Ausbeute von 50 Prozent an, der Einkaufspreis liegt bei 1.800 € je m³.
| Posten | Menge | Betrag |
|---|---|---|
| Nettomenge | 0,12 m³ | 216,00 € |
| Einkaufsmenge bei 50 % Ausbeute | 0,24 m³ | 432,00 € |
| Mehrkosten durch Ausbeute | 0,12 m³ | 216,00 € |
Massivholz mit Ausbeute (Annahmen)
Hätte man „50 Prozent Zuschlag“ gerechnet, kämen nur 0,18 m³ heraus, also 324 €. Es fehlten 108 €, und es fehlt das Holz.
Häufige Fehler
Einen Prozentsatz für alles nehmen. Folge: Bei Platten passt er vielleicht, bei Massivholz fehlt Material. Rechne jedes Material einzeln.
Zuschlag und Ausbeute verwechseln. Folge: Bei hohem Verschnitt, wie bei Massivholz, kaufst du zu wenig. 50 Prozent Zuschlag sind nicht dasselbe wie 50 Prozent Ausbeute.
Verschnitt doppelt rechnen. Folge: Er steckt in der Menge und noch einmal im Materialaufschlag. Das Angebot wird teurer, und du verlierst Aufträge, ohne zu wissen warum.
Reststücke nie zählen. Folge: Du schlägst den ganzen Verschnitt auf, obwohl das Reststück im nächsten Auftrag wieder verbaut wird. Oder umgekehrt: Du rechnest Reste als wiederverwendbar, die nie wieder gebraucht werden.
Beschläge ohne Packungsgröße bestellen. Folge: Du hast zu wenige oder bezahlst Reste, die nie verbaut werden. Prüf die Packungsgröße, bevor du die Menge ins Angebot schreibst.
Den Verschnitt nie nachprüfen. Folge: Dieselbe Schätzung läuft über Jahre. Vergleiche nach dem Auftrag, was du eingekauft und was du verbaut hast. Die Nachkalkulation im Handwerk zeigt, wie das geht.
Was CraftFlow damit macht
CraftFlow rät nicht, sondern greift auf Richtwerte zurück: Einkaufspreise netto aus einer Stichprobe bei Holz- und Beschlaghändlern vom Oktober 2026. Das sind Richtwerte zum Rechnen, nicht dein Preis. Die Preise je m² sind ohne Verschnitt; den rechnet CraftFlow über die Menge dazu, bei Platten und Leimholz plus 15 Prozent, bei Bohlen plus 60 Prozent. Die KI schätzt, gerechnet wird mit den Sätzen deines Betriebs, und du hast das letzte Wort. Wie die Rechnung im Ganzen aufgebaut ist, zeigt das Kalkulationsprogramm für Schreiner.
Häufige Fragen
Wie viel Verschnitt rechne ich bei Platten?
Eine übliche Spanne liegt grob zwischen 10 und 20 Prozent der Nettofläche. Bei vielen Kleinteilen oder festem Dekor eher mehr, bei wenigen großen Teilen weniger. Genau wird es erst mit dem Zuschnittplan. Vergleiche deine letzten Aufträge, um einen eigenen Wert zu finden.
Wie kalkuliere ich Verschnitt bei Massivholz?
Mit der Ausbeute: Einkaufsmenge gleich Nettomenge geteilt durch Ausbeute. Bei 50 Prozent Ausbeute brauchst du die doppelte Menge. Die Ausbeute hängt von Holzart, Qualität der Bohlen und deinen Ansprüchen an Fehlstellen ab.
Gehört Verschnitt in den Materialaufschlag?
Nur, wenn er nicht schon in der Menge steckt. Entscheide dich für eine Stelle. Der Materialaufschlag deckt Bestellen, Abholen, Lagern und Reklamationen, und den Verschnitt nur dann, wenn er nicht schon in der Menge enthalten ist.
Was mache ich mit Reststücken?
Führe eine Reststückkiste und rechne nur den Teil als Verschnitt, den du nicht sicher in einem der nächsten Aufträge verbaust. Reste, die ein Jahr liegen bleiben, sind Verlust.