Aus deinen Ist-Zeiten lernen
Lange erfasste CraftFlow die Ist-Zeiten, zeigte sie im Deckungsbeitrag — und vergaß sie. Ein Betrieb konnte zehnmal melden, dass die Montage länger dauert, und das elfte Angebot rechnete wieder mit derselben Zeit. Diese Schleife ist jetzt geschlossen: Aus den Rückmeldungen entsteht ein Vorschlag für deine Zeitfaktoren, den du siehst, bevor etwas passiert.

Beispieldaten aus zehn gemeldeten Projekten. Der Vorschlag geht in beide Richtungen — nach oben wie nach unten.
Drei Sicherungen gegen vorschnelles Lernen
Ein systematischer Fehler wird nicht weggelernt, sondern eingebrannt. Deshalb muss einiges zusammenkommen, bevor überhaupt ein Vorschlag entsteht.
| Sicherung | Wert | Warum |
|---|---|---|
| Mindestens vier Projekte je Bereich | 4 | Ein einzelner Ausreißer ist kein Muster. Bei drei Rückmeldungen kann eine davon ein Sonderfall sein und trotzdem die Mehrheit stellen |
| Der Median statt des Mittelwerts | — | Ein Projekt, das dreimal so lange dauerte wie geplant, zöge einen Mittelwert weit nach oben. Der Median bleibt dort, wo die Mehrzahl liegt |
| Mindestens zehn Prozent Abweichung | 10 % | Darunter liegt der Unterschied im Bereich dessen, was eine Zeitschätzung ohnehin streut. Der Vorschlag soll das Systematische fangen, nicht das Rauschen |
Ausgewertet werden die fünfzig zuletzt bearbeiteten Rückmeldungen. Gemessen am 21.09.2026: Zufällige Streuung von ±15 % kostete über 200 Aufträge 209 €, ein systematisch falscher Satz 96.000 €.
Der Vorschlag geht nur den halben Weg
Kommt ein Befund zustande, nennt er zwei Zahlen: den gemessenen Wert und den vorgeschlagenen. Der Vorschlag liegt genau dazwischen — er geht die halbe Strecke zum gemessenen Wert.
Das ist Absicht. Wer bei 22 % Überschreitung den Faktor sofort um 22 % anhebt, überschießt: Die nächsten Projekte werden mit der neuen Zeit kalkuliert, laufen dann regelmäßig darunter, und beim nächsten Lernen ginge es wieder zurück. Gemessen landet die Schleife bei voller Korrektur und üblicher Streuung bei 1,47 statt bei 1,40.
Wer weiter gehen will, soll wissen, wohin — deshalb steht der gemessene Wert im Text mit dabei, und den Faktor kannst du unter Einstellungen → „Meine Zeiten“ jederzeit von Hand setzen.
Warum dieselbe Beobachtung nur einmal wirkt
Das gespeicherte Soll enthält den Zeitfaktor, der damals galt — die Kalkulation hat ihn beim Rechnen schon angewendet. Eine Rückmeldung „Ist liegt 23 % über dem Soll“ gilt also nur für genau diesen Faktor.
Würde man das übersehen, hebt der nächste Lauf erneut an, obwohl sich nichts Neues ereignet hat. Nachgestellt: Der Faktor lief auf 1,93, obwohl die Wirklichkeit 1,23 sagte. Die Dämpfung verlangsamt das nur, sie verhindert es nicht.
Deshalb schreibt CraftFlow bei jeder Rückmeldung den damals geltenden Faktor mit und rechnet daraus den Faktor aus, der richtig gewesen wäre: Ist mal Faktor von damals, geteilt durch Soll. Diese Zahl ist stabil, egal wie oft ausgewertet wird — und die Folge konvergiert, statt davonzulaufen.
Übernehmen ist ein Klick, kein Automatismus
Der Befund steht als ganzer Satz da: welcher Bereich, aus wie vielen Projekten, wie weit die Zeiten im Mittel daneben lagen, welcher Faktor gälte und welcher gemessen wurde. Erst dein Klick setzt ihn.
Beim Klick rechnet der Server den Vorschlag neu und vergleicht ihn mit der Zahl, die auf deinem Bildschirm stand. Weicht sie ab, wird abgelehnt und du siehst die neue — sonst bezöge sich deine Zustimmung auf andere Zahlen als die, die gesetzt werden.
Setzen darf nur der Inhaber des Betriebs. Wie bei allen Betriebseinstellungen: Der Faktor wirkt auf jede Kalkulation.
Noch zwei Projekte, dann kann CraftFlow dazulernen
Solange die vier Projekte nicht beisammen sind, steht genau das da — wie viele noch fehlen. Schweigen wäre der Fehler: Wer fleißig meldet und nie etwas zurückbekommt, hört auf zu melden, und die Schleife stirbt an ihrer eigenen Stille.
Zwei Lernwege, ein Ziel
Es gibt einen zweiten Weg, auf dem CraftFlow Zeitfaktoren nachzieht: aus gewonnenen Angeboten, indem der erste Vorschlag mit dem Endstand verglichen wird. Beide Wege dürfen nebeneinander bestehen, sie messen Verschiedenes — der eine, wie du korrigierst, der andere, wie lange es wirklich gedauert hat.
| Aus Ist-Zeiten | Aus gewonnenen Angeboten | |
|---|---|---|
| Quelle | Deine Rückmeldungen nach dem Auftrag | Erste Fassung gegen Endstand gewonnener Angebote |
| Mindestmenge | 4 Projekte je Bereich | 3 Beobachtungen je Bereich |
| Mittelwert | Median | Median |
| Dämpfung | halbe Strecke | halbe Strecke |
| Grenzen des Faktors | 0,50 bis 3,00 | 0,60 bis 1,40 |
| Bereiche | Büro, Werkstatt, Oberfläche, Montage | dieselben vier plus Massivholz |
Massivholz ist ein Zuschlag, keine Phase — die Nachkalkulation erfasst ihn nicht und kann ihn deshalb auch nicht aus Ist-Zeiten lernen. Beide Wege schlagen nur vor; gesetzt wird per Klick.
Einen Vorschlag prüfen und übernehmen
- 1
Vorher: zu mindestens vier abgeschlossenen Projekten die Ist-Zeiten gemeldet haben — sonst gibt es nichts auszuwerten.
- 2
Einstellungen → Meine Zeiten öffnen und zum Kasten mit den Befunden scrollen.
- 3
Den Satz lesen: Welcher Bereich, aus wie vielen Projekten, wie weit daneben.

- 4
Die beiden Zahlen vergleichen — den gemessenen Wert und den Vorschlag. Der Vorschlag ist die halbe Strecke dorthin.
- 5
Passt die Richtung, den Faktor übernehmen. Ab da rechnet jedes neue Angebot damit.
- 6
Passt sie nicht, nichts tun. Ohne Klick bleibt alles, wie es war — und der Befund steht beim nächsten Mal wieder da.
Die Schleife lebt von den Rückmeldungen. Vier Projekte in einem Bereich sind schneller beisammen, als man denkt — wenn man nach jedem Auftrag zehn Minuten investiert.
Weil der damals geltende Faktor herausgerechnet wird, nähert sich die Folge an, statt davonzulaufen. Nach dem ersten Übernehmen liegt der Rest meist unter der Zehn-Prozent-Schwelle und es kommt kein neuer Vorschlag — das ist richtig so, kein Fehler.
Worauf du achten solltest
- Die Schleife dämpft absichtlich: Der Vorschlag geht nur die halbe Strecke zum gemessenen Wert. Wer nur „auf 1,18 anheben?“ liest, hält das für das Ziel — gemessen waren es 1,23. Der gemessene Wert steht im selben Satz.
- Die Faktoren sind hart gedeckelt: nicht unter 0,50 und nicht über 3,00. Wer weiter davon entfernt liegt, hat kein Faktorproblem, sondern ein Kalkulationsproblem.
- Gelernt wird nur aus Rückmeldungen, in denen Soll UND Ist stehen. Eine fehlende Ist-Zeit heißt in der Auswertung „passte“ — aber das ist eine Annahme, und Annahmen gehören nicht in die Datenbasis, aus der gelernt wird. Solche Zeilen fallen deshalb heraus.
- Die Zeitfaktoren wirken nur, solange dein Plan die Betriebskalibrierung enthält. Im kleinsten Plan rechnet CraftFlow mit 1,00 in allen Bereichen, auch wenn ein anderer Wert gespeichert ist — nach einem Upgrade gilt er sofort wieder.
- Massivholz lässt sich auf diesem Weg nicht lernen: Es ist ein Zuschlag auf Werkstatt und Oberfläche, keine eigene Phase, und wird in der Nachkalkulation nicht getrennt erfasst.
Das gehört dazu
Passt dazu
Diese Seite erklärt eine Funktion. Warum CraftFlow überhaupt mit den Werten deines Betriebs rechnet statt mit Durchschnitten aus dem Internet, steht auf Schreiner-Software — und die Rechnung hinter dem Stundensatz im Ratgeber.
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